Die Umstrukturierung bei Capitol Records betraf auch das Jazz-Department. Zuvor war die Abteilung bei Catalogue Marketing angesiedelt, nun ist sie bei der mit Special-Marketing-Aufgaben betrauten Abteilung EMI Marketing aufgehängt. „Inhaltlich oder strategisch ergeben sich daraus jedoch keine Änderungen. Der Jazz nimmt auch bei den neuen EMI/Capitol-Strukturen einen hohen Stellenwert ein“, betont Nathalie Heinrich, Managing Director bei EMI Marketing, im Gespräch mit musikwoche.de. Das bedeutet für die Labelarbeit, dass neben dem Backkatalog das Artist Development eine gleichrangige Funktion einnimmt. „Im Jazz spielt die Verwertung des Backkatalogs eine entscheidende Rolle. Er ist gleichsam die Cash-Cow des Jazz, weil man hier mit nur sehr geringem Marketing Umsatz erzielen kann“, erläutert Michael „Obi“ Oberhofer, der zur Zeit in Vertretung von Michael Brettschneider, Product Management Jazz, als freier Mitarbeiter in Sachen Jazz für den Konzern im Einsatz ist. „Aber genauso wichtig sind natürlich der Aufbau von neuen Künstlern und die Betreuung der zentralen Veröffentlichungen wie zuletzt von Cassandra Wilson, Bobby McFerrin oder Norah Jones“, erläutert er. Besonders zufrieden zeigt sich Oberhofer mit dem Debüt von Norah Jones: „Vor allem ihr derzeit von Capitol betreutes Album ist exzellent“, schwärmt Oberhofer. Zusammen mit „Belly Of The Sun“ von Cassandra Wilson und „Beyond Words“ von Bobby McFerrin bildet die CD, die in den deutschen Longplay-Charts bis auf Rang 37 kam, den absoluten Jazz-Schwerpunkt der Firma. Der Erfolg von Norah Jones war dabei nur mit einer speziellen Herangehensweise an das Thema möglich, wie Oberhofer erläutert: „Auch wenn der Begriff etwas überstrapaziert wurde, ist Crossover in der Sache nicht falsch. Denn wir müssen versuchen, neue Hörerschichten für den Jazz zu erschließen. Er war zu lange im Elfenbeinturm – als Musik von Fachleuten für Fachleute.“ Und Heinrich ergänzt: „Sehr spannend ist gerade beim Jazz auch das Marketing, da es kein Durchschnittsmarketing für die jeweiligen Künstler gibt. Man kann einen Chick Corea nicht wie eine Norah Jones vermarkten, weil jeder dieser Künstler eine ganz eigene Zuhörerschaft hat, die ganz verschieden erreicht werden will.“
Dadurch öffnen sich auch gute Perspektiven für den Gesamtmarkt, prognostiziert Oberhofer: „Der Erfolg von Künstlerinnen wie Norah Jones oder auch Diana Krall zeigt, wie massenkompatibel Jazz heute sein kann. Und das Potenzial ist hier noch lange nicht ausgeschöpft. Dennoch ging und geht es bei der Labelphilosophie unseres Jazzlabels Blue Note immer darum, keine Grenzlinien zu ziehen. Wir verfolgen alles, was in diesem Bereich passiert, ob das experimentell oder eher popnah ist.“


