Musik

EMI veröffentlicht Antrittskonzert von Sir Simon Rattle

Nach dem furiosen Antrittskonzert von Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker am 7. September hatte EMI Classics viel zu tun. Die Plattenfirma veröffentlicht die Aufnahme von Gustav Mahlers fünfter Sinfonie bereits am 30. September.

“All hands to the pumps“ umschreibt Maren Borchers, zuständig für die Pressearbeit, scherzhaft die Stimmung während der letzten Tage bis zur Veröffentlichung. Natürlich bedarf ein solches Projekt einer langen Vorbereitungszeit. „Wir sind uns bei EMI Classics sehr der Besonderheit dieses Antrittskonzerts bewusst“, gesteht Borchers. „Doch Live-Mitschnitte sind keine Seltenheit mehr. Wir mussten einfach vor dem Konzert schon alles fertig haben, was möglich war, wie Cover und Booklet. Dann wird aufgenommen und geschnitten.“ Das Antrittskonzert war das klassische Highlight des Jahres: In den ausverkauften Saal fanden sich alle ein, die in Berlin Rang und Namen haben, und lauschten einem atemberaubenden Schauspiel: Mit Mahler Musik vom Anfang und mit Thomas Adès‘ „Asyla“ Musik vom Ende des 20. Jahrhunderts.

So sind auch die Erwartungen von Dr. Andreas von Imhoff, Leiter EMI Classics, an das Album hoch, da es eine Markierung im Musikleben der Bundesrepublik dokumentiert: „Simon Rattles Kunst des Musizieres wird hier souverän hörbar – analytisch, voller Musikantentum, zupackend, mitreißend, als wolle er sagen: Auf zu neuen Ufern! Es ist eine neue Zeitrechnung angebrochen!“ Rattle ist seit über 25 Jahren Exklusivkünstler bei EMI Classics, jetzt setzt er seine Mahler-Reihe mit der Fünften (Bestell-Nr.: 557385 2) fort. Dass die eigenwilligen Berliner Musiker Rattle zu ihrem Chefdirigenten machen würden, einen Engländer, der das Erbe antritt von Hans von Bülow, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan und Claudio Abbado, war nicht selbstverständlich. Einen Versuch Rattles 1987, die unvollendete zehnte Sinfonie mit diesem Orchester in der Fassung von Deryck Cooke zu spielen, lehnten die Berliner damals ab. Erst 1996 gelang es dem Dirigenten, das Werk durchzusetzen. Dabei sind die Berliner Philharmoniker weltweit das einzige Orchester, das seinen Chefdirigenten selbst wählen darf. Und es entschied sich jetzt für eine Trendwende. Denn Rattle tituliert sich nicht als „Maestro“, er möchte ein Orchester „zum Anfassen“.

EMI Classics schnürt ein umfangreiches Marketingpaket: Neben Großdeko im Handel, breit gestreuten Anzeigen und einer umfangreichen Berichterstattung gibt es TV-Spots auf ARD und ZDF vom 30. September bis zum 9. Oktober. Promo auf Klassikradio, wo die Aufnahme auch ab dem 7. Oktober CD-Tipp der Woche sein wird, und eine ausgedehnte Deutschlandtour sollen weiterhin für Aufmerksamkeit sorgen. Im November erscheint eine Luxus-Edition der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler, die auch eine Bonus-CD enthält. Darauf ist ein Interview mit Nicholas Kenyon, Verfasser des Buches „Simon Rattle: Abenteuer der Musik“ (Henschel Verlag).