Seit zwei Jahren setzt die klassische Tonträgerfirma EMI Electrola auf neue Formate. 1999 begann das Unternehmen mit dem Einstieg in den DVD-Video-Markt, seit September dieses Jahres gibt es auch Veröffentlichungen im DVD-Audio-Format. Nicht nur die Förderung von Innovationen, vor allem langfristig angelegte Planungen ließen EMI auf das Trägermedium setzen. Dr. Carl Mahlmann, Director Planning GSA des Kölner Unternehmens, bestätigt die Firmenstrategie:
„Der Stellenwert der DVD ist höher als die aktuelle Marktbedeutung, weil sie ein großes Entwicklungspotenzial aufweist.“ Dass mit Veröffentlichungen auf DVD viel Geld zu verdienen ist, zeigen schon die bisherigen Verkaufserfolge einiger von EMI Electrola auf den Markt gebrachten Titel. Herbert Grönemeyers „Stand der Dinge“ auf DVD-plus beispielsweise erzielte im vergangenen Jahr Doppelplatin und platzierte sich sogar in den Top 10. Mit der Veröffentlichung auf DVD-Singles hält sich EMI derzeit allerdings noch zurück. Das Thema sei im Bewusstsein, räumt Mahlmann ein. Jedoch werde es in absehbarer Zeit keinesfalls „von jeder CD-Maxi auch eine DVD-Version geben“. Auch wenn dadurch das bisherige Sortiment gut komplettiert werden würde, die Produktion von DVD-Singles im großen Stil sei derzeit nicht zu finanzieren. Zufrieden zeigt sich der Director Planning, wenn es um die Integrierung von Musik-DVDs in den klassischen Tonträgerhandel geht. Dieser habe, resümiert er, „schon sehr früh sehr positiv“ reagiert.
Notwendigkeit eines neuen Formats erkannt
Die Gründe liegen für Mahlmann auf der Hand: Neben den sich bietenden Chancen habe der Handel vor allem die Notwendigkeit eines neuen Formats erkannt, „besonders im Verhältnis zu konkurrierenden Medien wie Spielfilm-DVDs und Games“. Auch von einer stiefmütterlichen Behandlung der Musik-DVD im klassischen Einzelhandel kann nach Mahlmanns Aussage keine Rede sein: „Der Handel engagiert sich sowohl bei der Warenpräsenz als auch bei den Werbemaßnahmen. Man darf nicht vergessen, dass Musikvideos immer ein Nischenmarkt waren, der sich durch DVD-Video zwar deutlich vergrößert, aber trotzdem im Verhältnis zu den Audioformaten ein Nischenmarkt bleibt.“
Verfolgen keine Hardware-Interessen
Wenn es um den potenziellen Verkaufserfolg einer zu veröffentlichenden DVD geht, wirft man bei EMI nicht nur auf die Künstler einen kritischen Blick, sondern auch auf die Potenziale der jeweiligen Formate. „DVD-Videos sind besonders interessant, wenn spannendes Bildmaterial vorliegt, wie etwa bei, Pur Auf Schalke „. Bei DVD-Audio hingegen sind qualitativ hochwertige Mehrspuraufnahmen gefragt“, differenziert Mahlmann. An der Diskussion, ob SACD oder DVD-Audio das bessere Format ist, will und wird sich der Konzern jedoch nicht beteiligen: „EMI verfolgt keine Hardware-Interessen.“ Deshalb setzt man derzeit auf eine zweigleisige Strategie.
Bisher werden die Inhalte in „denjenigen Formaten angeboten, die der Endverbraucher wünscht“. Letztendlich, so lautet Mahlmanns Überzeugung, entscheidet der Markt über dieses Thema. In den nächsten Jahren ist nach Ansicht des Unternehmens innerhalb des DVD-Musiksegments viel zu erwarten. Innerhalb des Gesamtmarkts werden nach Mahlmanns Prognose sowohl DVD-Video als auch DVD-Audio im Musikbereich in den nächsten ein bis zwei Jahren auf Marktanteile von jeweils über einem Prozent kommen. Und wie sehen die Prognosen für das Haus EMI Electrola aus? „Die Anteile DVD-Video und -Audio werden sich marktkonform entwickeln.“


