Musik

Emanzipierte Blondine mit Lust am Experiment

14 Jahre nach „Debravation“, dem letzten Soloausflug, meldet sich die Sängerin von Blondie mit ihrem fünften Album zurück.

Auf „Necessary Evil“ überrascht sie mit zeitgemäßen Rock- und Dance-Sounds. Auch mit ihren mittlerweile 62 Jahren denkt Deborah „Debbie“ Harry offenbar nicht im Geringsten daran, sich endgültig zur Ruhe zu setzen.

Mit der kompletten Formation Blondie war sie erst diesen Sommer wieder ausgiebig in Europa auf Tournee. Nebenbei fand sie sogar noch die Zeit, mit „Necessary Evil“ ihr fünftes Soloalbum aufzunehmen – satte 14 Jahre nach ihrem letzten Alleingang mit dem Album „Debravation“. Zwar gibt es außerdem noch Pläne für eine neue Platte mit Blondie – doch über die lässt sie momentan noch keine Details raus.

Viel leichter als gedacht

Und so konzentriert sich Debbie Harry jetzt erst einmal ganz auf ihre Solokarriere, die sie so viele Jahre vernachlässigt hat. „Ich war überrascht, wie einfach es mir fiel, diese Platte aufzunehmen“, freut sich die Sängerin. „Damit hatte ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet.“ Einen großen Anteil am Gelingen ihres neuen Soloalbums hat vor allem das Produzententeam Super Buddha alias Barb Morrison und Charles Nieland.

„Immer wenn ich eine neue Idee hatte, rief ich sie einfach an, und wenn sie Zeit hatten, trafen wir uns im Studio und machten daraus meist sofort einen Song. Es war eine perfekte Kombination.“ Die Energie dieser Zusammenarbeit, von der Debbie Harry noch immer schwärmt, übertrug sich nahtlos auf die Songs.

Ein bisschen von jedem

14 der 17 Stücke auf „Necessary Evil“ spielte sie mit Super Buddha ein. Zwei Stücke, „Jen Jen“ und „Naked Eye“, steuerte ihr früherer Lebenspartner Chris Stein von Blondie bei, und eine Nummer stammt von Roy Nathanson und Bill Ware von den Jazz Passengers, mit denen Debbie Harry in den 90er-Jahren ausgiebig tourte.

„Wenn man 30 Jahre mit denselben Leuten in einer Band spielt, dann ist jede Abwechslung willkommen. Ich bin keine ausgebildete Musikerin, deshalb ist es für mich besonders wichtig, mit Künstlern zu arbeiten, die sich auf meine Arbeitsweise einstellen können und mir neue Wege aufzeigen.“ Ihre Zusammenarbeit mit Super Buddha funktioniert in dieser Hinsicht perfekt.

Kennt man einfach

Eine Kopie des Pop-Sounds von Blondie hatte Debbie Harry für ihr Soloalbum sowieso nicht im Sinn. Dass sich hin und wieder trotzdem gewisse Parallelen ergeben, liegt vor allem an ihrer unverwechselbaren Stimme. „,Necessary Evil‘ klingt deutlich rockiger als die letzten Blondie-Alben“, sagt die erfahrene Musikerin.

„Und das ist genau der Sound, den ich angestrebt habe. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Platte in diese Richtung gehen sollte.“ Insgesamt investierte die unglaublich aktive und keative Sängerin immerhin eineinhalb Jahre in die Produktion des Albums, immer wieder unterbrochen von Tourneen und Liveauftritten.

Der Spaß kommt beim Singen

„Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich zuerst eigentlich gar nicht vorhatte, ein neues Soloalbum aufzunehmen. Aber je mehr ich mich in den neuen Songs verwirklichen konnte, desto mehr Spaß hatte ich an den Aufnahmen.“

Debbie Harry hat sich mit „Necessary Evil“ musikalisch ein gutes Stück weit von Blondie emanzipiert und sich zugleich auf ihre Wurzeln besonnen. Die 17 Songs klingen ungemein frisch und zeigen, dass sie auch nach mehr als 30 Jahren im Musikgeschäft ihre Lust an Experimenten nicht verloren hat.