Musik

Eliades Ochoa: Junger Spund wagt Spagat

„Estoy Como Nunca“- ich bin besser als je zuvor- hat Eliades Ochoa, sein neues Album genannt. Auf seinem dritten Longplayer für Virgin wird der Chef des Cuarteto Patria diesem Titel mehr als gerecht.

“Die Musik, mit der ich groß geworden bin, ist der ‚Son Montuno“, die ländliche Form des Son, der von der urbanen Form des Son abweicht, da er dem Gemüt der Landbevölkerung Kubas angepasst ist. Das Vehikel dazu ist die Improvisation. Auf dem neuen Album treten die Soli mehr denn je in den Vordergrund, und ich habe deutlich mehr Zeit mit den Arrangements zugebracht“, erklärt Ochoa, der innerhalb der Altherrenriege der kubanischen Musik mit seinen 56 Jahren nahezu als junger Spund gilt. Er erhielt 1978 das Angebot, die Geschicke des Cuarteto Patria, einer der ältesten und traditionsreichsten Bands von Santiago de Cuba, in die Hand zu nehmen. Er akzeptierte das Angebot, allerdings unter der Bedingung, dass er das reine Bolero-Repertoire des Patria um neue Rhythmen bereichern durfte.

Auf „Estoy Como Nunca“ (Bestellnummer: 8 12480 2) führen nun Guajira, Guaracha und Son Montuno in ihrer Nonchalance eine aufregende Koexistenz mit der ungewöhnlichen Dichte an Soli und subtilen Melodien. Traditionalist und gleichzeitig Erneuerer zu sein, gelingt nicht vielen – Eliades Ochoa meistert diesen gewagten Spagat spielend – auch wenn er auf seinem neuen Album ausschließlich Fremdkompositionen interpretiert. „Das ist vielleicht der einzige Nachteil, wenn man mit der kubanischen Tradition aufwächst. Man ist so voller Verehrung für die reiche Fülle an exzellenten Songs, dass es schwer fällt, diesem Material eigene Songs anzuhängen, die erst mal vor einem musikalisch verwöhnten Publikum getestet werden müssen. Zwar gibt es eigene Stücke von mir, aber ich halte die traditionellen Songs immer noch für weitaus besser“, lacht Ochoa.

Alexandra Krauss, PM bei Virgin, unterstützt die Veröffentlichung von „Estoy Como Nunca“ mit massiver Presse-Promotion und einer Anzeige zum „Latin-Special“ in der „taz“. Zudem wird es eine umfangreiche Plakatierung sowie Kooperationen mit den lokalen Veranstaltern geben, die Ochoa und das Cuarteto Patria ab Juni für vier Konzerte in Deutschland verpflichten konnten.