Musik

Electric Light Orchestra: Zurück aus der Zukunft

Star-Produzent Jeff Lynne wird rückfällig. Nach 15-jähriger Pause, in der er Musikergrößen wie George Harrison oder Brian Wilson produzierte, reformiert er das Electric Light Orchestra (ELO) – und klingt auf dem Album „Zoom“ (Epic/Sony Music) kein bisschen antiquiert. Auch eine neue Tournee steht an.

Er hat Sorgen, von denen andere nur träumen: Mit 53 Jahren steht Jeff Lynne vor dem Problem, wirklich alles erreicht zu haben. Denn der Mann aus Birmingham hat nicht nur unvergessliche Hits geschrieben wie zum Beispiel „Livin‘ Thing“ oder „Hold On Tight“, sondern auch das Gesicht der Rockmusik geprägt. Sei es mit einem opulenten High-Tech-Sound oder witzigen Gags wie jenen Nachrichten, die sich dem Hörer beim Rückwärts-Abspielen des 83er Albums „Secret Messages“ eröffneten.

Trotzdem war Lynne mit ELO nie zufrieden. Einerseits, weil er zum Workaholic mutierte, wie er selbst zugibt: „Ich habe täglich 14 Stunden im Studio gesessen.“ Andererseits, weil die Kritik das Schaffen der Gruppe nicht zu schätzen wusste. „Wir wurden als Beatles-Kopie belächelt. Dabei bezog ich mich einfach auf gute, altmodische Popmusik mit Klasse und Stil.“

Doch als Lynne 1986 genug vom Musikerdasein hatte, war es ausgerechnet George Harrison, der ihm das Tor zu einer neuen Karriere öffnete: Er engagierte ihn als Produzenten seines Comeback-Albums „Cloud Nine“. „Ich habe wahnsinnig viel von ihm gelernt – vor allem, was es heißt, den Sound spartanisch zu halten. Eben, indem man nur zwei Celli statt eines 40-köpfigen Orchesters benutzt. Darin hatte ich mich in der Vergangenheit ein bisschen verrannt.“

Der Beginn eines Traums: Lynne betreute seine Idole von Dylan über Petty bis zu den Beatles, mit denen er „Free As A Bird“ einspielte. „Es befand sich auf einer ramponierten Kassette mit einer Mono-Aufnahme von Johns Gesang und Klavier. Und das zu einem kommerziellen Song aufzubauschen, war die schwierigste Aufgabe, die ich je übernommen habe. Doch mit den drei verbliebenen Beatles im Studio abzuhängen, entschädigte für alles. Sie saßen da, jammten und gaben dir das Gefühl, als wärst du ein Kind im Spielzeugparadis.“

Doch kurz darauf stand Lynne vor derselben Misere, wie Mitte der Achtziger: alles gesehen, alles erlebt, alles erreicht. Also reformierte er ELO und baute sich in Los Angeles ein Haus mit Studio: „Es ist überall Musik, und sie kann auch überall gemacht werden: Im Schlafzimmer, im Bad, in der Küche. Man muss sich nicht länger in ein stilles Kämmerlein verkriechen, sondern kann sich überall austoben.“

Das Ergebnis dieses Klangexperiments ist ein Album, das wenig mit dem Bombast früher ELO-Epen zu tun hat. Eher mit Lynnes 88er Allstar-Projekt Traveling Wilburys: zeitloser Pop-Rock mit starken Boogie-Woogie- und Blues-Anleihen, einem harmonischen Nasalgesang sowie griffigen Riffs. Ein Werk, das direkt aus einer anderen Zeit zu kommen scheint – und deswegen den programmatischen Titel „Zoom“ (CD-Best.-Nr.: 502500 2) trägt. Damit will Lynne auch wieder auf Tournee gehen – samt einer exquisiten Band, der unter anderem ELO-Urmitglied Richard Tandy angehört, und einem Programm, das nicht nur auf Nostalgie setzt. „Wir sind eine Band, die alles probiert hat und mit Stolz sagen kann, dass sie auch 2001 noch eine Berechtigung hat. Nicht nur für alte Säcke wie mich.‘