Musik

„Ein Wegfall der Videos würde den Verlust von zwei bis vier Plattformen bedeuten“

musikwoche.de und VMCP präsentierten Popkomm.-Clip-Panel

“Ein Wegfall der Videos würde für die Musikwirtschaft, allen Kreativen und Produzenten den Verlust von mindestens zwei bis vier Plattformen für neue und innovative Künstler bedeuten.

Die gesamtwirtschaftliche Situation der Musikindustrie betrifft nicht nur die Clipfirmen, sondern alle Dienstleister, die für uns tätig sind, so etwa auch breite Teile des Handels. Das ist natürlich eine sehr bedauerliche Entwicklung. Gleichzeitig gibt es Hoffnung, wenn man etwa an die mobile devices oder die DVD denkt. Dort wird es mit Sicherheit weitere Verwertungsmöglichkeiten für die Musikvideos geben. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Record Companies an den Clip-Budgets sparen müssen. Die Frage ist jedoch, wie man spart. Wir bei Warner sind Verfechter der Linie ‚weniger ist mehr‘. Das heißt, dass wir im Sinne des Artist Developments weniger und gezielter veröffentlichen. Das hat wiederum zur Folge, dass wir bei den einzelnen Clip-Produktionen die Budgets nicht zurückfahren müssen. Hinzukommt, dass unsere national erfolgreichen Künstler, anders als bei den Engländern oder Amerikanern, im Ausland in der Regel keine Veröffentlichung bekommen. Allein aus diesem Grund gehen wir mit völlig anderen Budgets an den Start als unsere Kollegen dort.

Von dem Vorschlag, die Sender für die Clips zahlen zu lassen, halte ich nichts. Mit einer Abgabe würde das ganze System nicht mehr funktionieren und wir würden die Musiksender als eine wichtige Plattform für unsere Themen verlieren.

Wir müssen versuchen, konstruktive Wege aus diesen Problemen herauszufinden. Wir sollten gerade auf Verbandsebene im Dialog gemeinsame Wege finden, um Kosten zu senken, Jobs zu sichern und kreative Ideen zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass wir uns über die Zweitverwertung von Videos mehr Gedanken machen müssen.

Zudem müssen wir die bilateralen Gespräche zwischen uns und den Produktionsfirmen intensivieren. Wir bei Warner waren mit die ersten, die einen Videocomissioner eingeführt haben, um den Produktmanager zu entlasten. Das hat auch zu erheblichen Kosteneinsparungen geführt. Sehr wichtig ist auch die DVD – und ich meine nicht die Konzert-DVD, die langfristig ausgereizt ist – sondern die One-Artist-DVD, die ganz weit nach vorn gerückt werden müssen. Denn wir brauchen in Deutschland unbedingt eine zweite physische Konfiguration neben der CD brauchen. Gleichzeitig muss der VMCP eine Kommunikationsstrategie entwickeln, um gemeinsame Wege zu erarbeiten.“

Bernd Dopp, President Warner Music Germany Group