Musik

Ein Studiobesuch bei Ralph Siegel und Corinna May

Am 22. Februar startet Corinna May mit dem Titel „I Can’t Live Without Music“ zum dritten Mal bei der Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision De La Chanson. musikwoche.de besuchte Corinna May und Ralph Siegel bei den Aufnahmen zum gleichnamigen neuen Album im Studio.

Corinna May hat bereits zwei vergebliche Anläufe hinter sich, die Vorentscheidung des Grand Prix zu gewinnen. 1999 wurde die Sängerin mit dem Titel „Hör den Kindern einfach zu“ disqualifiziert, ein Jahr darauf scheiterte sie an Stefan Raab und seinem Song „Wadde hadde dudde da“. Da ist es umso bemerkenswerter, wenn sie nun ein drittes Mal ins Rennen um die begehrte Trophäe geht.‘

Und dieser dritte Anlauf wird bei vielen, die den Song „I Can“t Live Without Music“ zum ersten Mal hören, für eine kleine Überraschung sorgen. Denn musikalisch gehen Corinna May und Ralph Siegel hier ganz neue Wege. „Die meisten Menschen kennen Corinna May in ihrer Qualität, in ihrem Ausdruck und in ihrem wahren Können eigentlich gar nicht“, erklärt Ralph Siegel im Gespräch mit musikwoche.de.

„Wir haben sehr lange darüber nachgedacht, was kann und will Corinna diesmal eigentlich singen. Sie hat ja ursprünglich eine weitere Teilnahme abgelehnt und sich erst anders entschieden, nachdem sie ‚I Can“t Live Without Music“ gehört hat. Dieser Song enthält eine Aussage, die sowohl auf ihr Leben als auch auf mein Leben zutrifft.“ Der Titel sei, so Siegel, letztlich der Inbegriff des Grand Prix Eurovision De La Chanson. „Musik verbindet eben die Völker und Nationen besser als alles andere. Was die Politiker nicht können, haben die Musiker immer geschafft.“

Ralph Siegel betont im Gespräch immer wieder, wie wichtig es gerade für deutsche Musik ist, sich an internationalen Standards zu orientieren. „Das Album, das wir gerade produzieren, ist sehr international gehalten. Wir haben unter anderem Songs wie ‚People“ von Barbra Streisand oder ‚Light My Fire“ von den Doors aufgenommen. Wir wollen damit zeigen, was Corinna May wirklich kann.“

Hohen Maßstäben gerecht werden

Die Idee hinter „I Can“t Live Without Music“ versteht jeder sofort, der nur ein wenig Englisch in der Schule gelernt hat – da ist sich Ralph Siegel vollkommen sicher. Zudem wird Corinna May bei ihrem Auftritt von der Gruppe Queensize, der Choreografin und Tänzerin Nadine sowie der 21-jährigen Newcomerin Phillyz gesanglich unterstützt.

Das Teilnehmerfeld für die Vorentscheidung ist 2002 hochkarätig besetzt, was Siegel nicht zuletzt auf folgenden Umstand zurückführt: „Man darf nicht vergessen, ohne unbescheiden zu sein, dass eben fünfte, siebte oder achte Plätze beim Grand Prix im Endeffekt doch nicht ausreichen. Wenn die Fußballmannschaft mit einem siebten oder achten Platz nach Hause kommt, dann wäre man mit der Leistung sicher auch nicht zufrieden.“

Immerhin ist Siegel vor drei Jahren mit Sürpriz und dem Titel „Reise nach Jerusalem“ auf Platz drei gelandet. Aber er weiß: „Im internationalen Vergleich werden ganz andere Maßstäbe angelegt. Natürlich haben Guildo Horn und Stefan Raab mit ihren beiden Songs eine gute Figur abgegeben und auch gute Arbeit geleistet. Aber das reicht nicht, um den Wettbewerb gegen starke internationale Konkurenz für sich zu entscheiden.“

Doch Raab und Horn haben dem Grand Prix in gewisser Form gut getan, meint Siegel. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sei wieder da. NDR-Unterhaltungschef Dr. Jürgen Meier-Beer habe den Wettbewerb wieder zurück ins Rampenlicht geführt.

Grand Prix wieder im Zuschauerinteresse

„Das ist ihm absolut gelungen, auch wenn das bei einigen Herrschaften, inklusive mir, das Herz zum Bluten gebracht hat.“ Anfang der 80er Jahre, als Nicole den Grand Prix gewann, gab es nur die öffentlich-rechtlichen Sender. Mit dem Aufkommen der privaten Sender ließ auch das Interesse am Wettbewerb immer mehr nach. Erst Jürgen Meier-Beer habe es geschafft, den Grand Prix zurück ins Bewusstsein des Publikums zu rufen.

Einer der entscheidenden Gründe für die in den letzten Jahren zunehmend in Richtung Pop-Musik veränderte Musikfarbe der Veranstaltung sieht Siegel bei den A&Rs der Plattenfirmen: „Ein großer Teil der A&R-Leute hat den Wettbewerb früher nur als Promotiontool betrachtet. Es war ihnen eigentlich ziemlich egal, was dann international daraus wurde. Diesmal haben sich alle sehr viel Mühe gegeben und viele gute Nummern ins Rennen geschickt. Ich freue mich auch, dass ein Act wie Mundstuhl dabei ist, der das Ganze etwas aufheitert. Für mich ganz persönlich wäre es eine tolle Geschichte, 20 Jahre nach dem Gewinn des Grand Prix, gemeinsam mit Corinna May Deutschland noch einmal vertreten zu dürfen.“