Die rund 140.000 Besucher des Rheinkultur-Festivals sorgten auf den nassen Rheinaue-Wiesen wieder für gewisse Flurschäden. In diesem Jahr rauschten aber Anschuldigungen wie „Vandalismus“ und „Böswilligkeit“ durch den Blätterwald. Holger Jan Schmidt von Rheinkultur nimmt dazu Stellung.
Hier der offene Brief Schmidts im Wortlaut:
„Sehr geehrte Medienpartner, liebe Freunde der RhEINKULTUR,
eigentlich war es nicht unsere Absicht, in die öffentliche Diskussion um die Schäden in der Rheinaue einzugreifen. Vielmehr beabsichtigten wir, mit den entsprechenden Ämtern und Zuständigen die Lage in Ruhe zu erörtern, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Durch die mittlerweile vollkommen überzogene und unsachliche Darstellung in einigen Medien und entsprechende Kommentare einiger Personen, sehen wir uns nunmehr doch gezwungen, etwas zu eben jener Diskussion beizutragen.
Zuerst möchten wir wiederholen, was wir bereits am Veranstaltungstag mitgeteilt haben. Wir bedauern den Zustand der Rheinaue sehr, denn wir veranstalten die RhEINKULTUR dort seit nunmehr 24 Jahren und das Wohl und Wehe des Parks bewegt uns unmittelbar. Leider ist es nicht möglich, eine Großveranstaltung wie die unsere nach den sinnflutartigen Niederschlägen, die uns zum Ende der Aufbauwoche heimsuchten, ohne sichtbare Folgen für den Park durchzuführen. Wir haben trotz dieser überaus widrigen Umstände alles versucht, um mit dem Park im Rahmen unserer Möglichkeiten so schonend wie möglich umzugehen. So wurde in den Backstagebereichen Plywood (extra für diese Zwecke entwickelte Holzplatten) verlegt, wo sich die Busse und Trucks von Bands und Technik bewegten und parkten. Auch auf angegriffenen Bereichen der Blumenwiese wie etwa vor der blauen Bühne wurden diese Platten verlegt. Am Vortag der RhEINKULTUR wurden in Zusammenarbeit mit TK-Umweltdiensten Pfützen von der Blumenwiese abgesaugt, um den Abtrocknungsvorgang zu unterstützen und zu beschleunigen. Ebenfalls im Vorfeld der Veranstaltung haben wir zahlreiche Stellen mit Sand ausgebessert. Bands und Zulieferer wurden eindringlich auf vorsichtige und umsichtige Einfahrt in die Rheinaue hingewiesen. Auf die Maßnahmen wie Einzäunung von Beeten, die wir seit weit über einem Jahrzehnt bereits vornehmen, sei hier nur kurz hingewiesen. Wir sind uns im Klaren darüber, dass all dies den Park nicht vor Schäden bewahrt hat, denken aber, dass es eindeutig zeigt, wie bemüht wir sind, um das Gelände zu schützen, in dem wir uns seit fast einem Vierteljahrhundert zuhause fühlen.
Die RhEINKULTUR Organisation und das Produktionsteam verwahren sich ausdrücklich gegen die durch den Blätterwald geisternden Vorwürfe. Seien dies nun „Verwüstung“ oder „Vandalismus“, die „Willkür“ oder „Böswilligkeit“ suggerieren. Eine haltlose Mutmaßung wie „Gabelstaplerrennen“ entbehrt nicht nur jeglicher Grundlage, sondern kann unsererseits nur als Provokation und Versuch gewertet werden, die Veranstaltung bewusst in ein schlechtes Licht zu rücken.
Was uns wundert, ist die völlig einseitige Berichterstattung zum aktuellen Thema. Wir haben keine entsprechende Diskussion nach den anderen völlig verregneten Veranstaltungen in der Rheinaue, die im Vorfeld zur RhEINKULTUR stattfanden, verfolgen können. Dass große Teile der Blumenwiese bereits im Frühjahr bei der Produktion von z.B. „Rhein in Flammen“ den Zustand, der nun bemängelt wird, angenommen haben, scheint völlig vergessen zu werden. Wer den Zustand der Wiese nach dem Abbau von Riesenrad etc. gesehen hat, muss sich über die Vehemenz der aktuellen Diskussion wundern. Diese Unverhältnismäßigkeit halten wir für durchaus fragwürdig. Natürlich ist eine bereits angegriffene Wiese sehr anfällig für weitere Schäden und eine Veranstaltung mit über 140.000 Zuschauern, die ebenfalls mit dem Wetter zu kämpfen hat, wird unmöglich ohne Schäden abgehen. Das bedauern wir. Aber allein die RhEINKULTUR dafür verantwortlich zu machen, halten wir für völlig falsch.
Die RhEINKULTUR GmbH wird sich wie beabsichtigt mit den entsprechenden Stellen auseinandersetzen, um die Situation auf Grundlage der existierenden Beschlüsse zu diesem Thema zu bewerten. Es gibt Grundlagen und Konzepte, die Veranstalter und Stadt erarbeitet haben und die in Kultur- und Hauptausschuss sowie dem Rat der Stadt beschlossen wurden, auch und vor allem „um die Bedeutung des RhEINKULTUR Festivals für die Stadt zu unterstreichen“. Dazu zählen auch „zusätzliche Maßnahmen der Stadt, die sich vor allem dadurch rechtfertigen, dass dieses Open-Air-Festival jährlich bis zu 200.000 junge Menschen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, aber auch aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Rheinaue zieht, für ein jugendliches, dynamisches, zukunftsorientiertes Bonn steht und darüber hinaus eine nicht bezifferbare zusätzliche Kaufkraft für den Bonner Einzelhandel bringt.“
Wir sind davon überzeugt, die Diskussion mit den dafür Zuständigen zu einem positiven Abschluß zu bringen und freuen uns auf die 24. RhEINKULTUR, die hoffentlich bei Sonnenschein am 1. Juli 2006 auf uns wartet.
Mit den besten Grüßen aus der Bonner Altstadt, für die RhEINKULTUR GmbH
Holger Jan Schmidt“




