“Der Name des Departments leitet sich aus der Tatsache ab, dass Musik aus Jamaika weltweit extrem populär ist“, erklärt Uwe Adelfang, Leiter von Jamaican No. 1. „Unter diesem Namen firmiert die Abteilung seit drei Jahren.“ Die EFA Medien GmbH ist im Reggaebereich allerdings schon seit ihrer Gründung vor 20 Jahren aktiv. „Der Name ist sehr hilfreich, um unsere Aktivitäten vor allem nach außen hin besser darzustellen. Wobei man ganz klar zwischen lizenzierten Labels wie On-U Sound, Lion & Roots und Century und reinen Vertriebslabels wie Heartbeat, Ras und I-Sound unterscheiden muss.“ Für Adelfang grenzt sich der Reggaebereich nicht entscheidend vom sonstigen Marktgeschehen ab. „Es ist auch hier wichtig, ganz hart zu rechnen und nicht auf große Namen hereinzufallen. Es bringt überhaupt nichts, einen Top-Act unter Vertrag zu nehmen, von dem man dann niemals die Vorschüsse wieder einspielen wird.“
Dass EFA sein Reggae-Department Jamaican No. 1 getauft hat, hat noch einen zweiten triftigen Grund: „Wir sind mit dem Begriff Reggae schon immer sehr vorsichtig umgegangen. Von Zeit zu Zeit spreche ich auch mit unseren Vertretern darüber, damit das Wort nicht zu inflationär verwendet wird. Reggae deckt rein begrifflich gesehen nur einen Teil der Musik ab, die auf Jamaika entsteht und die wir hier bei EFA vertreiben. Das muss man immer wieder besonders betonen.“ Zu den wichtigsten Labels bei EFA zählt Heartbeat, das erste Label, das Jahre vor Blood & Fire und Pressure Sounds damit angefangen hat, alte Singles remastered auf Alben neu zu veröffentlichen. Doch neben der Arbeit mit Katalogware setzt man dort auch ganz stark auf heute noch aktive Künstler. „Bei Heartbeat stehen unter anderem Michael Rose, Everton Blender und der Dub-Poet Mutabaruka unter Vertrag, der mit „Check It!“ (Bestellnummer: 33264-2) gerade ein neues Album veröffentlicht hat.“ Ebenfalls eine Klasse für sich sind laut Adelfang die Wiederveröffentlichungen lange verschollener Klassiker des Roots- und Dub-Labels Wackie“s, 1973 von Lloyd Barnes in New York gegründet, über Basic Channel in Berlin. „Nach und nach soll so ein großer Teil der lange nicht mehr erhältlichen Schätze wieder zugänglich gemacht werden.“ Zu den eben veröffentlichten Titeln gehören unter anderem Junior Delahaye mit „Showcase“ (56602-2) und African Roots mit „Act 2“ (56610-2). Auch hier spielt der Anteil der Vinylalben, die gerade für DJs und Sampler sehr wichtig sind, wieder eine große Rolle. Zum Teil werden 50 Prozent der Longplayer als analoge Schallplatten verkauft.
„Ich verlange von meinen Labels, dass sie ab und an eine Platte auch auf Vinyl machen, wobei der Verkaufsanteil von Sparte zu Sparte sehr unterschiedlich ausfällt. Bei Ska zum Beispiel beträgt er bei neuen Aufnahmen bis zu 30, bei alten bis zu 60 Prozent. Bei Dancehall-Reggae liegt der Anteil bei ungefähr 35 Prozent. EFA hat über die Jahre immer versucht, den Verkauf von Vinyl zu unterstützen – nicht zuletzt deshalb, weil eine Vinyl-VÖ auch die CD-Verkäufe stützt. Das ist auch ein Grund, warum die Händler bei uns Vinylware returnieren dürfen.“ Von einem neuen Boom für jamaikanische Musik will Uwe Adelfang nichts wissen. „Bei uns sind die Absatzzahlen stabil geblieben. Wenn andere von starken Umsatzzuwächsen sprechen, liegt das wahrscheinlich daran, dass sie bis vor kurzem kaum Produkte in diesem Segment verkauft haben.“



