Musik

Dwele: Keine falsche Bescheidenheit

Neue, vielversprechende Soul- und R&B-Talente aus den USA gibt es fast im Wochenrhythmus zu bestaunen. Doch nur wenigen gelingt es, bereits mit ihrem Debütalbum die Messlatte so hoch zu legen. Der Sänger und Songwriter Dwele verknüpft auf „Subject“ (Virgin/EMI) klassische Soul-Elemente aus den 70er-Jahren mit modernen HipHop-Beats.

Das ist an sich noch keine besondere Leistung, doch wie Dwele das Erbe von Künstlern wie Donnie Hathaway, Stevie Wonder oder Marvin Gaye in die Neuzeit transformiert, verdient Respekt. Dabei galt seine Liebe nicht immer dem Soul. Begonnen hat er seine Karriere als Rapper. „Ich hatte als Jugendlicher einige Demos mit HipHop-Tracks aufgenommen. Das macht bei uns ja fast jeder. Als ich dann aber bei verschiedenen Gelegenheiten anfing, Songs richtig zu singen, haben mich viele Leute ermuntert in dieser Richtung weiter zu machen.“ Sein Talent sprach sich schnell herum. Die Rapperin Bahamadia verpflichtete ihn für zwei Songs ihres Albums „BBQueen“. Der endgültige Durchbruch gelang ihm dann mit einem vielbeachteten Auftritt auf dem Detroit Electronic Music Festival. Dwele singt nicht nur, er beherrscht auch zahlreiche Instrumente. Kein Wunder also, dass er seine Songs fast alle selbst schreibt. „Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie. Musik hat mich mein ganzes Leben auf die eine oder andere Weise begleitet.“ Die Musikkarriere hat ihn trotzdem überrascht. „Als ich genügend Songs geschrieben hatte, habe ich ein Tape zusammengestellt und davon 100 Kopien gezogen. Und nach einer Woche waren die 100 Stück verkauft.“ Die HipHop-Formation Slum Village gab eines der Tapes an ihren Manager weiter, und so kam die ganze Sache ins Rollen. „Auch wenn es unglaubwürdig klingt, aber von der Resonanz war ich schon etwas überrascht.“ Mit falscher Bescheidenheit hat diese Reaktion nichts zu tun. Dwele ist ein zurückhaltender Zeitgenosse. „Mit diesem Album will ich den Menschen ein Gefühl vermitteln, wie wichtig Musik in ihrem Leben sein kann. Ich versuche immer, die Songs so zu gestalten, dass sie sowohl zuhause als auch im Auto ihre Wirkung entfalten. Das verbindet meine Musik mit der von Stevie Wonder oder Donnie Hathaway. Ihre Songs waren ähnlich universell, auch wenn ich noch lange brauche, ihre Klasse zu erreichen.“