Musik

Draxl will kreativ agieren

Seit dem 1. Juni fungiert Peter Draxl als Marketing Director bei Universal Music Austria. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutert er seine Pläne und Ziele in dieser Position und nimmt Stellung zur angespannten Marktsituation.

“Verglichen mit Marktrückgängen in anderen Ländern geht es uns noch gut“, meint Peter Draxl. „In Österreich ging der Markt um 15 Prozent zurück und Universal liegt unter dem Schnitt.“ Trotz der Krise der Handelskette Libro geht Draxl auf Grund der guten Produktsituation bei Universal für das zweite Halbjahr insgesamt „von einem einigermaßen guten Jahr“ aus. Vor allem anstehende Veröffentlichungen internationaler Stars sollen es bei Universal richten. Draxl definiert es als sein Ziel, einer Marketingabteilung vorzustehen, die der Position des Marktführers gerecht wird. Seine Aufgaben sieht er zunächst im Bereich IT und Online: „Am Anfang steht immer Optimieren und Restrukturieren, dieser Prozess nimmt sicher etliche Monate in Anspruch. Eine wesentliche Rolle dabei spielt natürlich das Internet und das IT-Know-How. Da gibt es einiges nachzuholen. Es kann nicht sein, dass der Konsument uns um Jahre voraus ist. Ich hoffe, dass wir zum Beispiel noch dieses Jahr mit universalmusic.at online gehen können.“ Draxl präferiert eine moderne Homepage mit einer vernünftigen ECR-Lösung, denn: „Directmarkting beziehungsweise die direkte Kommunikation mit der Zielgruppe ist eines der wertvollsten Werkzeuge zur Zeit.“

Aber auch im klassischen Marketing will er die Zügel anziehen: „In Zeiten der Rezession gilt es, mit dem Budget sorgsamer und genauer umzugehen. Wir werden daher fokusierter arbeiten, und vor allem auch kreativer sein müssen, was die Wahl unserer Waffen betrifft.“ In diesem Zusammnhang will Draxl die Marketingabteilung von Universal personell wieder aufstocken, „da die Fülle an Produkten anders nicht zu bearbeiten ist“. Dabei will er persönlich den Bereich A&R, den er zuletzt in Diensten von EMI Austria betreute, nicht aus den Augen verlieren: „Jeder an der Front sollte ein A&R sein. Ich werde auch immer mit einem Auge auf die heimische Szene schielen, obwohl A&R in Österreich ein ziemlich frustrierendes Unterfangen sein kann.“ Als Beispiel nennt er sowohl die Größen der Austropop-Ära, „deren Verkäufe sich teils gefünftelt haben, die allerdings immer noch ihre Produktionsbudgets von damals einfordern“, als auch nationale Kopien internationaler Stars, „die der Konsument nicht wirklich braucht“. Außerdem kritisiert er zu hohe Kosten beim Aufbau von Künstlern: „Die Budgets nähern sich teilweise schon deutschen Standards, bei einem elfmal kleinerem Markt kann sich das nicht ausgehen. Wenn man mit jedem Debütalbum gleich Platin verkaufen muss, um die Kosten einzuspielen, muss man sich die Sinnfrage stellen.“

Deshalb fordert Draxl: „A&R sollte meiner Meinung nach wohldosiert, kostenbewusst und an der Künstlerbasis stattfinden. Kein Plastik, sondern echte Bands, echte Künstler, echte Instrumente.“ Ein nationaler Act müsse besser sein als die internationale Konkurrenz, um über Österreich binaus Erfolg zu haben. „Es wäre schade, wenn nach dem Novelty-Wunder DJ Ötzi, der um die ganze Welt geht, jetzt 20 Jahre lang wieder nichts aus Österreich kommt, das aufhorchen lässt. Doch solange es in Österreich Bands wie zum Beispiel Garish gibt, ist die Schlacht noch nicht verloren.“ Vor dem Hintergrund der Libro-Krise sei zudem die Suche nach alternativen Vertriebsformen eine wirtschaftliche Notwendigkeit um die Versorgung der Konsumenten zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang sei die Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer gefordert. Allerdings weist Draxl Vermutungen zurück, dass die Musikfirmen Österreichs ins Tonträgergeschäft einzusteigen planen: „Das wäre natürlich ideal wenn die Industrie – nach dem Vorbild der Constantin Film/Cineplexx-Gruppe, die uns das wunderbar vorexerziert – auch über Handels-Outlets verfügen würde. Aber das halte ich tatsächlich für ein Gerücht angesichts der Gewitterstimmung in der Branche.“

Zur Lösung der aktuellen Probleme der Branche meint Draxl, dass die Firmen „so schnell wie möglich Wege finden müssen, wie man den Kunden das konsumieren von digitaler Musik komfortabler machen kann. Downloadbörsen mit vernünftigen Abrechnungsmodellen, bequemer Zugang und schnelles Downloading in Top-Qualität.“ Er ergänzt: „Für viele ist MP3 und Downloading immer noch der Feind. Das ist falsch, denn eigentlich erklärt man damit den Konsumenten zum Feind.