Mit dem Wechsel von Markus Bruns, der im Oktober vergangenen Jahres von wea zu eastwest records als Managing Director ging, wanderte auch das von Norbert Rudnitzky betreute Label Downbeat von der einen Warner-Firma zur anderen. Das hatte jedoch keine Auswirkung auf die inhaltliche oder strategische Ausrichtung, wie Rudnitzky betont: „Weil ich mit Markus Bruns, Oliver Richter und Volker Mietke ein sehr gut eingespieltes Team bildete, sind wir damals alle geschlossen zu eastwest gegangen.“ Davon unberührt sei die Philosophie des Labels: „Auf Downbeat hat nie nur klassischer Reggae oder HipHop stattgefunden. Wir haben mit Acts wie Rockers Hifi auch Grenzgebiete beschritten oder auf Compilations Reggae mal mit HipHop und mal mit Drum „n Bass zusammengebracht. Zwar bilden Reggae und HipHop immer den roten Faden, der sich durch das Label zieht, aber wir sehen das nicht fundamentalistisch.“
Für Downbeat zeichnet Rudnitzky als alleiniger Labelmanager verantwortlich, und er betreut A&R und Produktmanagement. Die Anfänge liegen 1985 in dem von ihm geführten gleichnamigen Laden, der mit einem Reggae-Sortiment begann, sich im Laufe der Jahre aber auch angrenzenden Bereichen wie HipHop, Breakbeat, Big Beat und TripHop öffnete. „Das spiegelt letztlich meinen Geschmack wider, den ich in die Labelarbeit wie auch in meine Radiosendung für Radio Fritz voll einbringe“, erklärt Rudnitzky. Er arbeitet nach dem Motto: „Nicht alles, was mir gefällt, veröffentliche ich – aber alles, was ich veröffentliche, gefällt mir.“ Dabei ist es dem Labelmanager wichtig, „keine Musik für Spezialisten zu veröffentlichen, sondern Musik so auf den Markt zu bringen, dass sie auch den Zugang zu einem breiteren Publikum finden kann. Im positiven Sinne heißt das, auch wenn das Wort inzwischen einen belastenden Beigeschmack hat, Crossover-Effekte anzustreben“.
Dies macht Rudnitzky auch am Beispiel Seeed fest, die als Dancehall-Band bis auf Platz 17 der deutschen Longplay-Charts von Media Control vorstieß. „Das Phänomen Seeed liegt auch darin begründet, dass selbst der Dancehall- und Reggae-Purist die Band liebt. Und das ist auch meine Idealvorstellung von Musik, die ich bei Downbeat veröffentlichen will. Das gelingt nicht immer, denn so ein Erfolg bedeutet eine Gratwanderung: Für den Spezialisten sind manche Titel schon zu sehr Mainstream, während sie dem Crossover-Publikum schon zu speziell sind.“ Um diese Veröffentlichungsstrategie zu realisieren, kann Rudnitzky auf den Rückhalt seiner Plattenfirma setzen, die ihm „den Rücken freihält für ein paar Experimente“. Als Spielwiese für neue Themen kooperiert Rudnitzky mit den Labels Germaican und Rootdown: „Hier können wir Künstler über Vinylsingles ausprobieren, ohne dass gleich der ganze Major-Apparat dranhängt.“
Die deutsche Reggae-Szene brodelt
Hamburg (dis) – „Ob Reggae und Dancehall in Deutschland als Stile und Charts-Themen weiter wachsen können, hängt auch von den Entwicklungen in Jamaika ab“, urteilt Norbert Rudnitzky, Labelmanager Downbeat bei eastwest. „Für mich ist es ein Phänomen, dass von so einer kleinen Insel mit einer überschaubaren Anzahl von Musikern und Produzenten in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Trends und Innovationen ausgegangen sind.“ Aber auch in Deutschland hat sich der Markt verändert: „Die Erfolge von Seeed, D-Flame und des aktuellen Albums von Gentleman zeigen, dass Roots-Musik mittlerweile charts-tauglich geworden ist. Das wäre vor ein paar Jahren noch unmöglich gewesen.“ Dabei hat sich vor allem die Szenen-Basis geändert, wie Rudnitzky erläutert: „Bei Reggae gab es immer wieder starkes Interesse – wie etwa damals bei Ini Kamoze oder Inner Circle, bevor er dann wieder in der Versenkung verschwand.
Jetzt hat sich jedoch eine richtige Szene entwickelt, die organisch gewachsen ist. Dazu gehören Soundsystems, Kids, die sich intensiv mit den Texten und Hintergründen beschäftigen. Und auch Magazine, die in dem Genre arbeiten, sind glücklich und überrascht über die Auflagenzahlen, die sie inzwischen erreichen.“ Zufrieden zeigt sich Rudnitzky auch über die Nachwuchssituation in Deutschland: „Immer mehr Kids fangen an, eigene Beats und Texte zu basteln, so dass in der Szene auf jeden Fall ein großes Potenzial steckt. Da brodelt etwas. In den Plattenläden merken wir, dass immer mehr Kids, die einst HipHop gekauft haben, jetzt die neue CD von Capleton mitnehmen. Denn HipHop ist Mainstream geworden, so dass die Meinungsmacher in den Klassen eher die neue Bounty Killer als die neue CD von Busta Rhymes,cool“ finden.“
Downbeat baut Nosliw auf
Hamburg (dis) – Aus der Arbeit mit den Labels Germaican und Rootdown ging das jüngste Downbeat-Signing hervor, das Downbeat-Labelmanager Norbert Rudnitzky als nächstes großes Aufbauthema für das eastwest-Label beschreibt. „Mit Singjay Nosliw aus Bonn, der Roots und Dancehall mit deutschen Texten macht, ist ein starkes Talent mit großem Potenzial herangewachsen.“ Der 1975 geborene MC kam über den HipHop zu Reggae und Dancehall. Seine ersten Veröffentlichungen entstammten dem Rap, bis sein Song „Noch nie gesehen“, den Nosliw zusammen mit dem Künstler Youdon auf der Compilation „Dancehallfieber Vol. 2“ sang, für Aufsehen sorgte. Zudem lieferte er einen überzeugenden Beitrag auf dem Riddim „Doctor“s Darling“ von Seeed und arbeitet derzeit an seinem Debüt-Album für Downbeat.



