Musik

Dorfdisko – Alles andere als provinziell

Mit der im April veröffentlichten EP „Unterwegs“ sorgte das Quartett Dorfdisko für frischen Wind in der deutschen Musikszene. Auf ihrem Debütalbum, „Viel zu stürmisch, viel zu laut“ (Motor/Warner) überzeugen die Kölner mit energiegeladenen Songs.

In der deutschsprachigen Pop- und Rockmusik fällt noch immer jede Band positiv auf, die sich konsequent dem üblichen, wenn auch oft gut getarnten Schwermut verweigert. Dorfdisko aus Köln um den Sänger und Gitarristen Daniel Roth schaffen das und beschäftigen sich auf ihrem Debütalbum auf ganz und gar unpeinliche Weise mit Gefühlen. Es gab in den vergangenen Jahren kaum eine Band, die mit ähnlicher Überzeugungskraft ihre Songs vortrug. Dabei hat alles ganz harmlos begonnen, erklärt Gitarrist Peer Hartnack: „Schlagzeuger Marc Pampus Schlagzeug und ich haben im Kölner Stadtmagazin eine Anzeige aufgegeben mit dem Slogan:,Junger Mann zum Mitreisen gesucht.‘ Und daraufhin hat sich dann Daniel gemeldet.“

Gleich bei der ersten Session im Übungsraum platzte der Knoten: „Ich wollte in Köln eigentlich auf die Schauspielschule gehen“, berichtet Daniel Roth. „Aber bevor ich überhaupt dazu kam, mir eine Wohnung zu suchen, habe ich mich erst einmal bei den Jungs gemeldet, denn eine Band ist schließlich das Wichtigste.“ Gleich beim ersten Treffen schrieben die Mitglieder der Gruppe gemeinsam einen Song: „Schreien wir zusammen“. Und der steht bis heute stellvertretend für alles, was Dorfdisko ausmacht: ungestüme Melodien, intelligente Texte und eine gute Portion Humor abseits des Mainstream-Geschmacks. Mit dem Diskurspop Hamburger Prägung verbindet Dorfdisko indes nichts.

Als Produzent konnte die Band mit Ekki Maas einen der versiertesten Musiker Deutschlands verpflichten, der spezialisiert ist auf eigenwillige Popmusik wie von PeterLicht oder von seiner eigenen Band Erdmöbel. „Wir haben in den ersten Wochen praktisch bei jeder Probe einen neuen Song geschrieben“, sagt Daniel Roth. „Die Ideen sprudelten nur so. Es war einfach phantastisch.“ Diesem Urteil kann sich auch Peer Hartnack anschließen: „Wir haben einfach drauflosgespielt, ohne lange zu überlegen, wie das Ganze jetzt klingen soll.“

Entsprechend frisch und unbekümmert gerieten viele der elf Songs. Die Band entschloss sich dann nach der relativ kurzen Phase im Proberaum recht schnell, ihr Glück auf der Bühne zu versuchen. „Da lernt man am schnellsten dazu“, so Daniel Roth. „Nach meiner Erfahrung bringt es nichts, sich im Proberaum zu verschanzen und darauf zu warten, dass man entdeckt wird.“ Norbert Schiegl