Musik

Disco-Pop mit einer Extraportion Glamour

Glamour ist tot? Von wegen! Mit ihrer schrillen Collage verbinden die Scissor Sisters Jahrzehnte und Stile – und beleben das darbendende Genre neu.

Spätestens seit Bands wie Roxy Music oder Künstlern wie David Bowie und Elton John ist der Begriff Glamour aus der Popmusik nicht mehr wegzudenken, auch wenn in den vergangenen Jahren nicht unbedingt jede Band diese Vorgaben erfüllen konnte.

Mit den Scissor Sisters kehrt nun endgültig der lange vermisste Glanz zurück. Der Band um Sängerin Ana Matronic und Sänger Jake Shears gelingt auf ihrem Debütalbum „Scissor Sisters“ ein in dieser Form bisher nicht für möglich gehaltener Brückenschlag zwischen Pop, Disco und Elektronik.

Über wie viel Gespür die Band verfügt, wird bereits bei der ersten Single, einer Coverversion des Pink-Floyd-Klassikers „Comfortably Numb„, deutlich, mit der sich die Gruppe in England geradewegs in die Top Ten katapultierte.

Konventionen? Weg damit!

„Wir sind eine Band, die mit ihrer Musik mehr als nur unterhalten will“, erklärt Ana Matronic. „Wir wollen mit unseren Songs Teenager ebenso ansprechen wie Hausfrauen.“ Das dürfte den Scissor Sisters mit Tracks wie „Laura“ oder „Take Your Mama Out“ nicht besonders schwer fallen.

Die Band sticht gerade durch ihre unkonventionelle Art, Stilelemente der 70er-, 80er- und 90er-Jahre zu kombinieren, hervor. Da treffen dann schon mal Falsettstimmen, die an die Bee Gees erinnern, auf Disco-Sounds, die durchaus auch von Giorgio Moroder stammen könnten.

Die Scissor Sisters haben allerdings überhaupt keine Probleme damit, selbst unterschiedlichste Strömungen unter einen musikalischen Hut zu bringen. „Die Einflüsse sind bei jedem Bandmitglied sehr unterschiedlich“, berichtet Matronic. „Das ist wahrscheinlich auch eines der Geheimnisse unseres Erfolgs. Wir verarbeiten in unserer Musik so viele unterschiedliche Elemente, dass fast jeder damit etwas anfangen kann.“

Keine Startschwierigkeiten

Die Erfolgsgeschichte der Band ist in der Tat atemberaubend. Vor gut zwei Jahren gegründet, veröffentlichte die Gruppe ihre erste Single auf dem kleinen Independent-Label A Touch Of Class. Inzwischen haben die fünf Schwestern bei Universal UK unterschrieben.

„Es ist schon toll, als Band aus den USA in England unter Vertrag zu stehen. Die Leute in Europa scheinen mit unserer Musik zumindest derzeit mehr anfangen zu können.“

Zudem sei das Quintett in der glücklichen Lage, nicht „wie andere Bands jahrelang in kleinen Clubs spielen zu müssen und dann zu hoffen, dass uns jemand entdeckt“, sagt die Sängerin. Nicht nur musikalisch, auch optisch heben sich die Scissor Sisters von der Konkurrenz deutlich ab. Ihre Liebe zu ausgefallenen Outfits spiegelt sich auch in der Musik wieder.

Es gibt im Moment kaum eine Band, die so überzeugend zwischen unterschiedlichen Stilepochen hin und her wandert. Die fünf Mitglieder, neben Ana Matronic und Jake Shears gehören noch Babbydaddy, Del Marquis und Paddy Boom zu Gruppe, legen großen Wert darauf, nicht als Retroformation zu gelten.

„Wir bedienen uns zwar nach Lust und Laune in der Musikgeschichte, fügen aber jedem Track viele eigene Ideen hinzu.“ Sie würden auch nicht davor zurückschrecken, Country-Elemente einzubauen – „wenn sie uns bei einem bestimmten Song weiterhelfen“.