“Ich war von Anfang an von dieser Idee überzeugt“, so Bazalgette: „Die meisten Musikrichtungen hört man nur selten im Radio. Deshalb sind moderationsfreie, spezialisierte Kanäle für Fans von Reggae, Dance oder Alternative Rock so faszinierend.“ Music Choice bietet 47 genre-spezifische Kanäle an. Zehn Millionen Abonnenten hat Music Choice derzeit, die Hälfte davon in Großbritannien. 1998 waren es noch 500.000. Bazalgette führt dies auf das seiner Meinung nach ungewöhnliche Geschäftsmodell zurück. „Wir machen zwar noch Verlust, aber wir haben eine starke Aussage, und unsere Investoren pflichten dem bei,“ erklärt er. „Denn anders als die Dotcoms verfügen wir über reale Einnahmen aus Verträgen mit Partnern wie BSkyB, Premiere World und Canal Plus.“
Music Choice verbuchte 2000 einen Verlust von 10,9 Millionen Pfund. Das sind 14 Prozent weniger als 1999, als das Defizit 12,7 Millionen Pfund betrug. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 108 Prozent von 2,5 Millionen auf 5,2 Millionen Pfund. „Wir werden aufgrund von Entwicklungskosten und zusätzlichem Marketing dieses Jahr vermutlich einen ähnlich hohen Verlust haben, aber diese Investitionen helfen uns, die Einnahmen zu steigern. Wir erwarten in diesem Jahr wieder eine Verdopplung des Umsatzes,“ hofft Bazalgette.
Analysten rechnen für 2005 mit der ersten Gewinnausweisung. In Deutschland ist Music Choice im Family-World-Paket von Premiere World enthalten. Im März startete in Großbritannien ein interaktiver TV-Service von Music Choice. Er beinhaltet eine zusätzliche Musikdatenbank. In Zukunft soll es möglich sein, Musik direkt vom Bildschirm aus zu bestellen. Music Choice will den neuen Service auf ganz Europa ausweiten. In Deutschland soll er vermutlich ab Anfang 2002 zu empfangen sein. „Wir würden gern bereits dieses Jahr beginnen, aber es müssen noch einige technische Dinge geklärt werden,“ so Bazalgette.
Mit seiner Online-Präsenz geht das Unternehmen vorsichtiger um: „Wir haben zehn Channels auf unserer Website, aber wir bieten keinen allumfassenden Webservice. Hier wollen wir abwarten.“ Das Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft. Im Londoner Büro sind derzeit 80 Mitarbeiter beschäftigt, regionale Niederlassungen sind geplant. „Unsere derzeitige Priorität ist, mit dem interaktiven TV-Service die Bekanntheit unserer Marke in ganz Europa zu erhöhen,“ fasst Bazalgette zusammen. „Danach können wir uns um andere Bereiche wie Websites kümmern. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht in ein paar Jahren der größte digitale Musikversorger in Europa sein sollten.‘


