Sie ist eine betörende Schönheit mit braunen Mandelaugen, witzigen Sommersprossen, Stupsnase und wilden schwarzen Locken. Deshalb ist Minnie Driver seit Mitte der Neunziger vor allem auf romantische Komödien wie „Good Will Hunting“ oder „Circle of Friends“ geeicht.
„Ich will mich nicht beschweren, aber es sind immer dieselben Rollen, und das nervt.“ Dabei kann die gebürtige Engländerin mit Wohnsitz Malibu auch anders.
Etwa auf ihrem ersten Album, „Everything I’ve Got In My Pocket„, das sie mit Produzent Marc „Doc“ Dauer (Pete Yorn) und illustren Gästen wie Keyboarder Rami Jaffee (The Wallflowers), Bassist Sheldon Gomberg (Warren Zevon) und Gitarrist Jeff Trott (Sheryl Crow) einspielte – insgesamt elf Songs, die sich stilistisch an Sarah McLachlan, Neil Young, Mazzy Star oder den Cowboy Junkies orientieren.
Sanfte Abrechnungen
Das ist großer, euphorischer und vor allem sphärischer Folk-Pop mit tollen Melodien, unschuldigem Mädchengesang und einer stilvollen Coverversion des Bruce-Springsteen-Klassikers „Hungry Heart“. „Er gehört zu meinen absoluten Lieblingssongs“, schwärmt Minnie Driver, „weil er etwas unglaublich Aufbauendes hat. Er gibt dir einen regelrechten Kick. Und genau das versuche ich auch mit meinen eigenen Stücken zu bewirken.“
Dabei brodelt es unter der harmonischen Oberfläche oft gewaltig. Denn wie einst Bob Dylan mit dem Song „Blood On The Tracks“ rechnet auch Minnie Driver ganz nonchalant mit Ex-Lovern wie Matt Damon, John Cusack oder Josh Brolin ab. Näher erläutern will sie das aber nicht. „Es wäre nicht fair, wenn ich das publik mache.“
„Ich fühle, was ich singe“
Schließlich sei die Platte zwar reine Selbsttherapie, sie selbst aber kein Racheengel, sondern eine Aktrice, die auch als Singer-Songwriterin ernst genommen werden will. Viele ihrer Kollegen sind daran bekanntlich kläglich gescheitert: Russell Crowe, Juliette Lewis, Mandy Moore, Jennifer Love Hewitt. „Kein Wunder“, so die Driver, „deren Platten sind ja auch so schlecht, dass man sie kaum ertragen kann.“
Ganz im Gegensatz zu ihrer Kunst, die sie selbstbewusst verkauft: „Ich fühle, was ich singe. Das ist der feine Unterschied.“ Und obwohl sie schon wieder vor der Kamera steht und demnächst mit „Das Phantom der Oper“ in die Kinos kommt, will sie auch weiterhin als Musikerin agieren und möglichst bald ein zweites Album präsentieren.
Songs habe sie mehr als genug, sagt sie, und auch Live-Konzerten stünde nichts im Wege. „Ich will die Musik zu meinem zweiten Standbein machen und zeigen, dass nicht alle Schauspieler schlechte Musiker sind. Es gibt auch Ausnahmen – wie mich.“


