Der Autor, der als Musikkoordinator des Multimediaprojekts DasDing im Südwestrundfunk Gelegenheit hatte, Theorie und Praxis abzugleichen, zeigt auf, wie es zur gegenwärtigen Misere im wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis zwischen Musikredaktion im Funk, Hörern und Phonoindustrie kommen konnte. Dazu analysierte Gushurst die Veränderung der Radiolandschaft in Deutschland von 1975 bis 1995 anhand des Tagesprogramms der Servicewellen SWF3, RPR1, R.SH, Antenne Bayern und BR3.
Allein der Vergleich der zunehmend austauschbarer werdenden Programmschemata spricht Bände; die Sendefahrpläne im Fünfjahresturnus zeigen, wie sich die Programmgestaltung immer mehr auf bereits bekannte Musiktitel konzentrierte und Newcomer immer weniger Chancen erhielten. Wer nach Lektüre dieses Buches noch dem Glauben anhängt, mit dem Radio ließen sich neue Künstler durchsetzen, der muss schon über ein gewaltiges Maß an Idealismus verfügen.
Wolfgang Gushurst: Popmusik im Radio – Musik-Programmgestaltung und Analysen des Tagesprogramms der deutschen Servicewellen 1975 – 1995 Nomos Medien; ISBN 3-7890-6786-5; 303 Seiten; 99 Mark


