Musik

Die Urheberrechtssituation in Jugoslawien Teil 3: Sava Centar bildet Belgrads kulturelles Herzstück

Eines der beeindruckendsten Bauwerke in Belgrad ist das Veranstaltungszentrum Sava Centar. Auch während des Krieges schafften es die Organisatoren, das kulturelle Leben in der jugoslawischen Metropole nicht brach liegen zu lassen.

Mehr:

Die Urheberrechtssituation in Jugoslawien Teil 1:

Die Urheberrechtssituation in Jugoslawien Teil 2:

Auf 106.000 Quadratmetern fasst das kulturelle Kongress- und Geschäftszentrums einen Konzertsaal, Ausstellungshallen, Konferenzräume und Restaurants zusammen, und bietet mit dem Intercontinental Hotel, in dem 180 Personen arbeiten, eines der prestigeträchtigsten Hotels in Belgrad. Die 3220 Quadratmeter weite Haupthalle des Sava Centars ist der größte Austragungsort für Konzerte in Jugoslawien und bietet 3725 Sitzplätze.

Das beeindruckendste am Centar ist aber, dass es während der vergangenen zehn Jahre, die von politischem Durcheinander, militärischen Konflikten und wirtschaftlichem und sozialem Verfall geprägt waren, seine Bandbreite an Veranstaltungen, inklusive Auftritte von Megastars der Musikwelt, beibehalten hat.

Das Sava Centar wurde im Jahr 1977 in der Nähe des Zusammenflusses von Sava und Donau erbaut. Die Finanzierung sicherten Belgrader Banken und die Stadtversammlung. Das Sava Centar diente als Veranstaltungsort für mehr als 5200 Versammlungen und bot den Rahmen für mehr als 1600 Konzerte sowie 16 Film-Festivals. Insgesamt kamen rund 1,35 Millionen Besucher und Gäste in die Hallen.

George Milutinovic ist der Chief Executive Officer der Sava Centar Konzertagentur, die zur Kulturabteilung Zentrums gehört. Er arbeitet seit der Gründung der Agentur im Oktober 1989 für das Sava Centar: „Seit Mitte des Jahres 1991, als der Krieg in Kroatien began, wurden wir mit enormen Problemen konfrontiert, die durch die Sanktionen der Vereinten Nationen, durch die rasante Inflation und der Schwierigkeit, an harte Währungen zu kommen, sowie durch die Schließung des Belgrader Flughafens entstanden sind – aber irgendwie haben wir es immer geschafft.“

Auch die sinkenden Einnahmen aus dem Kartenvorverkauf bereiteten den Organisatoren Probleme: Vor dem Krieg kosteten zum Beispiel Karten für ein Konzert der Gipsy Kings 50 Mark und für ein Konzert von B.B. King rund 35 Mark. Aber wegen der enormen wirtschaftlichen Not, unter der die Bevölkerung während des Krieges litt, konnte sich niemand mehr diese Eintrittspreise leisten.

Deshalb sanken 1996/1997 die Kartenpreise für James Brown auf etwa 15 Mark und auf zehn Mark für Chick Corea. „Die Mehrheit der Bevölkerung muss mit etwa 100 Mark im Monat haushalten. Dadurch ist es uns völlig unmöglich, die Gagen der Major-Acts aus unserem Budget zu bezahlen“, erläutert Milutinovic. „Deswegen sind wir von Sponsoren abhängig.“

Zusammen mit den bereits genannten Künstlern traten auch andere bekannte Musiker im Sava Centar auf, darunter Ray Charles, Jerry Lee Lewis, The Temptations, Dizzy Gillespie, Miles Davis, Paco de Lucia, Julio Iglesias, Herbie Hancock und das Kronos Quartett. „In unserem Festival- und Konzertprogramm“, erzählt Milutinovic, „haben wir mehr als 100 Künstler mit einem internationalen Namen – was eine beachtliche Leistung ist, wenn man die Probleme berücksichtigt, denen wir gegenüber standen.“

Eines der Glanzlichter für Milutinovic war der Auftritt von Nigel Kennedy im Juni 1999, nur zwei Wochen nach dem Ende der Nato-Offensive. „Er war der erste ausländische Künstler, der nach dem Waffenstillstand in Belgrad spielte“, erklärt Milutinovic. „Er trat zuvor zweimal im Centar auf, aber dieses Mal spielte er umsonst, als Geste für seine vielen Freunde in Belgrad. Jeder hier hat großen Respekt vor ihm als Musiker und als mitfühlenden Menschen.“

Das Sava Centar bietet auch nationalen Künstlern ein Forum: Am 16. Februar diesen Jahres präsentierte es zum Beispiel Sanja Ilic und seine Band Balkanika 2000. Ilic ist einer der berühmtesten heimischen Komponisten von Pop- und Rockmusik und schrieb Songs für viele jugoslawische Künstler. Seine CD „Delta Projekt“ ist zudem die bislang bestverkaufte jugoslawische Instrumentalaufnahme.

Eine andere bekannte Attraktion in Belgrad sind Dragoljub Djuricic und die Drum Company, die Musik aus einer Mischung aus traditionellen Balkan-Rhythmen und moderner Popmusik spielen. Kürzlich gab die Gruppe ein ausverkauftes Konzert im Centar.

In diesem Jahr will Milutinovic noch Madredeus präsentieren. Außerdem sollen bei einem Jazz-Festival im Sommer Ahmed Jamal und James Carter auftreten. Andere geplante Highlights stellen zudem Auftritte von Marc Ribot, Randy Crawford und Omara Portuondo dar.