Bereits vor zwei Jahren wurde deutlich, dass der junge Musiker über außergewöhnliche Talente verfügt. Damals sorgte Dizzee Rascal mit seiner selbstproduzierten Debütsingle „I Luv You“ landesweit für Aufsehen, obwohl nur 1000 Weißpressungen im Umlauf waren.
Seine eigenwillige Mixtur aus Garage-, HipHop-, Elektronik- und Ragga-Elementen begeisterte nicht nur die Hörer aller englischen Piratenradiostationen, sondern neben Nike Skinner alias The Streets, der in dem aufstrebenden Newcomer gleich die „Zukunft der Musik“ erkannte, auch das Label XL Recordings, das dem Talent sofort einen Vertrag anbot.
Trotz des schnell einsetzenden Rummels um seine Person hat Dizzee Rascal nicht vor, von seinem Kurs abzuweichen. „Ich freue mich natürlich, wenn mich jemand wie Mike Skinner in dieser Weise lobt. Trotzdem wird das meine Entscheidungen nicht beeinflussen. Ich werde auch in Zukunft nur das tun, was ich für richtig erachte und nicht, was die Leute von mir erwarten.“
Unabhängigkeit immens wichtig
Kreative Freiheit bedeute ihm sehr viel. „XL Recordings hat mit Bands wie Prodigy und Basement Jaxx in der Vergangenheit bewiesen, dass sie als Independent-Label in der Lage sind, sehr viele Platten zu verkaufen. Aber ich hätte auch kein Problem, bei Def Jam zu unterschreiben – solange ich dort machen kann, was ich will.“
Trotz der immens gestiegenen Erwartungen verspürt Dizzee Rascal keinen Druck. „Meine künstlerische Unabhängigkeit ist mir immens wichtig. Ich habe in Zukunft noch so viel vor, warum soll ich mir darüber Gedanken machen, was bestimmte Medien von mir erwarten?“ Mit seinem Debütalbum, „Boy In Da Corner„, hat er die Messlatte jedenfalls sehr hoch angelegt. So gekonnt und zielgerichtet wie er hat sich schon lange niemand mehr in der Musikgeschichte bedient. Ein Track wie „Fix Up, Look Sharp“, bei dem Billy Squires Song „The Big Beat“ eine unerwartete Wiederauferstehung feiert, funktioniert nicht nur auf dem Dancefloor perfekt.
„Als ich mit dem Musikmachen anfing, hatte ich noch keine Idee, wie meine Songs klingen sollen. Die Straße hat mir meinen Weg gezeigt. Ich habe alles, was ich kann und was ich bin, dort gelernt. Außerdem hing ich viel in Studios rum, arbeitete als Radio-MC und besuchte jede Menge Raves. Das hat mich geprägt. Ich habe einfach zugehört und genau beobachtet.“
„mein eigener Produzent und Songwriter“
Auf die Rolle des klassischen MCs will er sich dabei keinesfalls reduziert wissen. „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass mich die Menschen nicht nur als Rapper betrachten, sondern auch zur Kenntnis nehmen, dass ich auch mein eigener Produzent und Songwriter bin. Ich möchte in Zukunft in allen Bereichen erfolgreich arbeiten und meine Vorstellung von Musik umsetzen.“
Da trifft es sich gut, dass Dizzee Rascal keinerlei musikalische Berührungsängste hat. Er liebt die Flying Lizards ebenso wie Sham 69 oder Sepultura und sagt: „Was immer an mein Ohr dringt, ist interessant für mich. Es spielt keine Rolle, woher die Musik kommt, ob aus Indien oder China.“
Diese Haltung erklärt auch, wie es ihm gelungen ist, innerhalb kurzer Zeit einen so unverwechselbaren Sound zu schaffen. „Es gab in den letzten Monaten Phasen, in denen ich am Tag vier neue Tracks eingespielt habe. Entsprechend groß war dann auch die Auswahl für mein erstes Album.“


