Seliger: Warum nicht. Generell ist es wichtig, dass Konzertveranstalter erkennen, dass sie dem Publikum eigentlich mehr Leistung bieten müssen. Viel Geld für einen Stehplatz in einer schlecht belüfteten Konzerthalle bei oft viel zu schlechtem Sound ausgeben zu müssen, kann nicht die Lösung sein. Ich bin zwar ein bisschen skeptisch, was den „Eventcharakter“ von derartigen Konzerten angeht, und glaube, die Branche wäre gut beraten, die Musik mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das Konzerterlebnis allerdings muss fürs Publikum stimmiger werden.
Jahnke: Das ist in einigen wenigen Fällen auch in Deutschland möglich und teilweise auch schon gemacht worden.
Koopmans: Sicherlich wird das begrenzt auch in Deutschland möglich sein, die neuen Arenen, wie zum Beispiel die Colorline Arena in Hamburg, werden gute Voraussetzungen hierfür bieten.
Mendrzycki: Aufgrund vermeintlicher Gagen-Forderungen in der Größenordnung von drei Millionen Dollar pro Show in Deutschland ist eine Diskussion über diverse Konzepte samt Preiskategorien hier entbehrlich. Die größten Hürden für die Stones in 2003 sehe ich darin, dass die Ticketpreise zwangsweise einen sehr hohen Durchschnittspreis erreichen müssen und dass aufgrund der Umbauten in den Stadien (WM 2006) nur wenig Spielstätten zur Verfügung stehen, die den von der Zielgruppe erwarteten Komfort bieten.
Schwenkow: Das Modell ist nur bedingt geeignet, aber in einigen Hallen, wie zum Beispiel in Köln ist es vorstellbar. Das Publikum muss aber an solche Zusatzangebote erst vorsichtig herangeführt werden.
Wöste: Ich kann mir vorstellen, dass zehn Prozent des Publikums meiner Veranstaltungen ein Komplettpaket – sprich: mit Abendessen mit Künstlern oder einer After-Show-Party mit den Künstlern – annehmen würden.
Semmelmann: Ein interessanter Ansatz, der in einigen modernen Arenen auch umsetzbar ist. Man sollte jedoch gerade auf Hallenseite attraktive Modelle für die Veranstalter anbieten, da oft feste Catering-Verträge eine praktische Umsetzung im Sinne aller Beteiligten unmöglich machen.
Fleischmann: Ich halte dieses Modell auf den deutschen Markt nicht für übertragbar. Machen wir uns doch nichts vor: Die Leute wollen ein Konzert in möglichst bester Qualität sehen, sie wollen doch nicht allen Ernstes für ein sporadisches Abendessen mit dem eventuellen Erscheinen des Künstlers 1000 Dollar und mehr bezahlen.
Lieberberg: Komplettpakete, die als sogenannter Golden Circle im Ausland Konjunktur haben, werden in Deutschland vergleichsweise schlecht angenommen. Dies mag einerseits an einem fragwürdigen Preis-/Leistungsverhältnis sowie einem Mangel an Komfort liegen. Andererseits spielen hier sicher gesellschaftliche Faktoren eine Rolle, die das öffentliche zur Schau stellen von bezahlten Privilegien ächten.
Bös: Sicher gibt es schon Venues in Deutschland, in denen sich solche Aktivitäten durchführen lassen. Persönlich halte ich nichts von solchem Schnickschnack.



