Drummer Martin Chambers gehört heute wieder zum Pretenders-Team, während neben Hynde Gitarrist Adam Seymour als Co-Autor der meisten Songs die musikalische Richtung auf „Loose Screw“ (Bestellnummer 0000256EAG) mitbestimmt. „Im Grunde haben die Pretenders immer dieselbe musikalische Formel verfolgt. Was wir diesmal bewusst angestrebt haben, war, das ganze Album hindurch zu grooven, die Songs kurz und uptempo-mäßig zu halten. Wir wollten zwar nie eine Dance-Band im schlimmsten Sinne des Wortes sein, aber ich liebe es zu tanzen, und so wollte ich diesmal gut tanzbare Musik abliefern – was die Pretenders eigentlich noch nie getan haben“, erzählt Hynde im Gespräch mit musikwoche.de, das im Vorfeld der Deutschland-Auftritte im Vorprogramm der Rolling Stones stattfand. „Es hat mich auch nie gereizt, etwas anderes zu machen. Ich bin schon öfter aufgefordert worden, etwas Jazziges für Soundtracks zu singen, aber darauf habe ich keinen Bock. Ich bin einfach nur eine Rocksängerin und alles andere als ehrgeizig. Mir reicht es, mit einer vier- oder fünfköpfigen Band zu rocken und ein paar Balladen zu spielen. Inzwischen habe ich gelernt, nicht zu viel zu machen, um nicht auszubrennen.“ Sie macht so viel, wie nötig ist, um über die Runden zu kommen. „Ich will nicht um jeden Preis Erfolg haben oder mein Publikum vergrößern – ich möchte einfach nur mein Leben leben.“ Aus diesem Alltagsleben bezieht die inzwischen zweifache Mutter – von Ray Davies (Kinks) und Jim Kerr (Simple Minds) hat sie mittlerweile erwachsene Töchter – die Inspiration für ihre Songs. So erzählt Hynde zur Entstehungsgeschichte von „Clean Up Woman“: „Ich kam eines Morgens in die Küche, und die Spüle war voller schmutzigem Geschirr. Das habe ich abgewaschen, bin dann direkt ins Studio und habe das Stück geschrieben. Es sind selten irgendwelche mondänen Dinge, die mich inspirieren: Ich schreibe über Dinge, die ich in meinem Alltag erlebe.“
Während die früheren Pretenders-Alben bei Warner erschienen waren, kommt „Loose Screw“ in Europa bei Eagle Rock heraus, nachdem die CD in den USA bereits im letzten Herbst vom Label Artemis veröffentlicht wurde. „Wir hatten vor einem Vierteljahrhundert bei Real Records angefangen, die dann von der Warner-Tochter Sire Records übernommen wurden. Wir fühlten uns dort lange wohl, aber in den letzten Jahren hat sich dort Konzern-Denken breit gemacht. Außerdem wechselte das Personal ständig, ich glaube, man interessierte sich nicht mehr richtig für das, was wir machten. Also habe ich mich in New York nach einem neuen Deal umgesehen“, begründete Hynde den Firmenwechsel. Eagle Rock hat zur Veröffentlichung des Albums ein umfangreiches Marketingpaket geschnürt. Neben Anzeigen in Musikmagazinen wie „Rolling Stone“, „Musikexpress“, „WOM Journal“ und „Good Times“ umfasst die Kampagne eine bundesweite Bauzaunplakatierung sowie umfangreiche Printpromotion durch cmm.



