“ Ist das Musical „We Will Rock You“ die logische Konsequenz aus der Tatsache, dass es Queen als Band im klassischen Sinne nicht mehr geben kann?
BRIAN MAY: Wir können und wollen Freddie Mercury nicht ersetzen. Mit dem Musical fanden wir eine für uns neue Kunstform, in der wir mit großartigen, jungen, talentierten Leuten zusammenarbeiten können. Das Musical ist für uns der perfekte Weg zur Erweiterung der Grenzen, in denen wir bislang als Band existierten. Roger und ich bemühen uns seit mehr als drei Jahren darum, eine Möglichkeit zu finden, wie wir als Mitglieder von Queen weiterarbeiten können.
“ Gäbe es denn auch noch andere Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit?
MAY: Als wir die Idee für das Musical konkretisierten, wurde Robert De Niros Produktionsfirma eingeschaltet – vermutlich, weil De Niro an der Realisierung einer Filmversion des Scripts zum Musical interessiert ist. Und es gibt ein weiteres Filmscript über die Biografie von Queen. Das sind Optionen, die wir in Betracht ziehen werden. Außerdem wollen wir wieder verstärkt live spielen. An den Eröffnungsabenden des Musicals in den verschiedenen Ländern treten Roger und ich meistens live auf. Das hat die Spiellust bei uns neu entfacht.
“ Ist die Musical-Produktion so befriedigend wie Live-Konzerte?
ROGER TAYLOR: Das Musical ist eine Herausforderung, weil wir die übliche Form von Musical-Theater rundweg ablehnen. Wir haben der Idee nur zugestimmt, weil wir uns an keine der üblichen Regeln halten mussten. Aber für uns beide sind Live-Auftritte immer noch der Teil unserer Arbeit, den wir am meisten lieben. Das „46664“-Event für Nelson Mandelas Stiftung im Jahr 2003 hat uns wieder Appetit auf Konzerte gemacht.
MAY: Es war ein langer, schmerzhafter Weg, den Verlust von Freddie zu verarbeiten. Nach seinem Tod wollte ich eigentlich nichts mehr mit Queen zu tun haben. Aber nach dem Album „Made In Heaven“ und durch das Musical stellte ich fest, dass die Leute uns als Queen-Mitglieder sehen möchten, nicht als Solomusiker. Beim „46664“-Konzert spielten wir ein paar neue Queen-Nummern, die wir hoffentlich irgendwann mit wechselnden Gastsängern aufnehmen werden.
“ Welche Bedeutung hat der Musical-Start in Deutschland für Sie?
MAY: Darsteller und Musiker der deutschen Version sind außergewöhnlich gut. Und Deutschland nahm in unserer Karriere immer einen wichtigen Platz ein. Wir produzierten ja viele Alben in München und verbrachten hier viel Zeit. Das deutsche Publikum war weltweit immer unser loyalstes. Dass der Kartenvorverkauf für das Musical in Deutschland sehr gut läuft, hat auch damit zu tun, dass wir im deutschen Radio immer noch sehr viel gespielt werden.
“ Inwiefern spiegelt im Musical die Kritik an Zensur und Globalisierung Ihre Erfahrungen als Band wider?
MAY: In erster Linie ist das Musical Entertainment. Wenn wir die Zuschauer zum Denken anregen können, ist es ein willkommener Nebeneffekt. Dass unser Video „I Want To Break Free“ zu einem leichten Karriereknick in Amerika führte, weil die Moralwächter dort keine Männer in Frauenkleidern duldeten, ist gewiss eine Form von Zensur. Natürlich finden auch wir es bedauerlich, dass die ganze Entertainment-Branche immer homogener wird. Anfang der Siebziger, als wir anfingen, gab es noch Platz zum Experimentieren. Und man hat damals auch mehr Platten absetzen können, obwohl oder gerade weil man Nonkonformist war. Die Kritik daran, dass es Queen als neue Band heute möglicherweise gar nicht schaffen würden, fließt in „Light“-Form sicher in die Story unseres Musicals ein.
TAYLOR: Alle Kritik im Musical ist universellen Ursprungs, mit Ausnahme der Zensur in der ehemaligen UdSSR. Wir durften dort nämlich nicht auftreten, weil wir den Regierenden zu dekadent erschienen, worauf ich immer noch stolz bin.


