Musik

Die für die German Dance Awards nominierten Händler

Vinyl- und Online-Vertrieb bilden perfekte Symbiose

“Wir haben die GDA schon zwei Mal gewonnen“, erklärt Udo Welcker, Inhaber der drei Shops von Important Records in Essen. Welcker gründete das Geschäft bereits 1978: „Wir waren immer ein Import- und Vinyl-Laden.“ Während es früher auch Platten aus den Bereichen Independent und Heavy Metal bei ihm gab, konzentrierte er sich seit dem Aufkommen der CD vor allem auf Dance-Produkte. Heute bieten alle drei Shops, die im Umkreis von 200 Metern liegen, verschiedene Schwerpunkte: House, Techno sowie ein Geschäft für kommerzielle Themen und Hardcore. „Wir haben hier eine starke Fraktion für Hardcore und Gabber“, sagt Welcker. Groß seien bei ihm nicht die Läden selbst mit rund 60 Quadratmetern und insgesamt sechs Mitarbeitern, „groß sind bei uns die Lager mit einer Kapazität von bis zu 800 Quadratmetern“. Deshalb biete Important eine besonders hohe Qualität im Bereich Backkatalog, die sich ab Mitte 2002 auch in einem Online-Shop spiegeln soll. „Wir machen Vinyl, um uns von den ganzen Läden abzusetzen, denen es nicht um die Musik geht, sondern darum, möglichst billig zu sein.“ Ralf-Oliver Müller gründete Cuepoint Records im April 1995, das Geschäft liegt an einer Einkaufsstraße in Hamburg-Eppendorf. Die Schwerpunkte von Cuepoint liegen auf Trance, House und Techno. Müller bietet mit seinen beiden Mitarbeitern ausschließlich Vinyl an. Der frühere DJ gründete den Laden, da er an manche Platten nur schwer herankam, und deshalb selber in diesem Geschäft aktiv werden wollte. Sein Augenmerk richtet Müller auf Importe aus den Niederlanden, Belgien, Spanien und Italien. Daneben betreibt er seit einem Jahr ebenfalls unter dem Namen Cuepoint Records ein eigenes Label. Größter Erfolg war bisher die Veröffentlichung des Titels „The Megara“ des gleichnamigen Projekts. Beim Umsatz konnte sich das Geschäft Cuepoint Records in den vergangenen Jahren stetig steigern: „Seit dem letzten Jahr haben wir unseren Umsatz verdoppelt.“ Einer der Hauptgründe dafür sei, dass „man Vinyl glücklicherweise nicht aus dem Internet herunterladen kann. Unsere Kunden wollen die Platte in der Hand halten und damit arbeiten.“ Bereits seit 1993 steht der DJShop.de online, erklärt Unternehmensgründer Armin Wirth, „als einer der ersten weltweit“. Nachdem zunächst nur wenige Bestellungen pro Monat eingingen, bedient Wirth mittlerweile einen festen Stamm von 14.000 Kunden, erweiterte sein Geschäft unter dem Namen Dance All Day – Music Vertriebsgesellschaft um einen stationären DJ-Shop in Traunstein und beschäftigt 24 Mitarbeiter: „Wir gehören zu den drei größten Shops im Trendbereich“, schätzt Wirth, der nach eigenen Angaben seine Umsätze seit 1998 jährlich um das drei- bis vierfache steigerte. Über das Internet bedient DJShop.de inzwischen seine Kunden weltweit, vor allem in Österreich und in der Schweiz, aber auch in Japan. Rund ein Drittel der Umsätze steuert zudem der Bereich Großhandel bei. Die überregionale Bedeutung auch des stationären Shops verdeutlichten Einkäufe von DJs wie zum Beispiel Tom Novy: Auf rund 1.300 Quadratmetern findet sich ein großes Angebot an Dance-Labels, DJ-Equipment, darunter rund 50 verschiedene Turntables und CD-Spieler sowie mehr als 1000 verschiedene Bags und Cases. Außerdem bieten Wirth und sein Team neben einem zweiten Online-Shop unter der Adresse www.vinyl24.de auch komplette Shop-Lösungen für andere Interessenten an: Online-Bestellungen auf den Homepages der Labels Kosmo Music oder Superstar Recordings werden in Traunstein bearbeitet. Weitere Partnerschaften „bis in den TV-Bereich“ seien in Planung. Eigene Labels wie Vinyl Loop Recordings runden das Angebot von DJShop.de ab: Allein von den bislang acht Folgen der Maxi-Serie Vinyl Loop Classics gingen 2001 laut Wirth 21.500 Exemplare über die Ladentheken, Vertriebspartner ist Music Mail. Freebase Records wurde vor sieben Jahren von Carsten Schuchmann und Olaf Zern gegründet, vor vier Jahren zog das Geschäft von Bornheim in die Frankfurter Innenstadt, wie Bernd Maus erklärt. Maus ist seit dem Umzug neben den beiden Gründern Mitinhaber von Freebase. Er arbeitete bei der Gründung des Neuton-Vertriebs im Bereich Einkauf/Verkauf und wechselte später zum Delirium-Shop. Das Programm von Freebase Records umfasst neben HipHop, Drum & Base und House „alles, was uns im Elektrobereich interessant erscheint“. Die Bereiche Trance und Goa gehören allerdings laut Maus nicht dazu. Der Vinylanteil bei Freebase liegt etwa zwischen 70 und 80 Prozent, viele Importe bestimmen das Programm. Derzeit liegt die Verkaufsfläche von Freebase noch bei rund 70 Quadratmetern, zu Beginn des kommenden Jahres wollen sich die acht Freebase-Macher allerdings vergrößern: Die neuen Räume liegen im selben Gebäude, bieten rund 180 Quadratmeter Platz. Neben dem Shop betreibt das Freebase-Team außerdem seit zwei Jahren das Label Below mit bislang sieben Veröffentlichungen. Der laut Maus vielversprechendste Act des Labels ist Björn Petrikat, der bislang zwei Maxis im Stil von Moodyman herausbrachte, „allerdings etwas trashiger und deshalb auch ein sehr eigener Sound“. Olaf Zern betreibt außerdem auch das Label raum…musik. Ein eigenes Label führt auch Oliver Grabowski, Gründer des Hamburger Geschäfts Underground Solution, unter demselben Namen. Anfang Dezember steht die Veröffentlichung der zweiten Maxi, Jovonns „Back To House“, an. Schwerpunkt des Ladens in der Dammtor-Nähe ist House: „Und unser Vinylanteil liegt bei 99 Prozent“, erklärt Grabowski. 40 Prozent des Umsatzes steuere zudem der angeschlossene Mailorder-Versand bei. Während der Umsatz im stationären Geschäft etwa auf dem Niveau der letzten Jahre liege, „wächst Mailorder weiter“. Neben dem Laden betreibt er seit Ende 1999 einen eigenen Vertrieb unter dem Namen The Word And Sound, inklusive der Aushilfen sind 14 Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen tätig. Grabowski verweist außerdem auf die jährlichen Partys zum Geburtstag des Geschäfts. Bei diesen Veranstaltungen legten bereits DJs wie Boris Dlugosch, Ian Pooley, Dimitri From Paris oder Roger Sanchez auf, dessen erster bekannterer Titel auch Pate für die Namensgebung des Geschäfts stand.