Musik

Die Frage der Gewichtung

Er selbst wertet sein neues Album als „gar nicht so radikal anders“, der Rest der Welt steht daneben und wundert sich. Aber das war bei Laurent Garnier ja eigentlich immer so.

Statt harter Techno-Beats erwarten den Hörer auf „The Cloud Making Machine“ sehr viel sanftere, zum Teil deutlich von Jazz und Weltmusik inspirierte Klänge. Laurent Garnier war als DJ und Musiker schon immer sehr schwer einzuordnen.

Mit diesem Album erfüllt er sich einen lang gehegten Wunsch: Die zehn Songs entstanden in den vergangenen vier Jahren und zeigen eine neue Seite des Musikers, der sich auch als Internet-Radioaktivist (www.pedrobroadcasting.com) in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat.

„50 Prozent der Musik auf dem Album waren bereits vorhanden. Den Rest schrieb ich 2004“, erklärt Garnier. „Ich trage die Idee zu diesem Album nicht schon vier Jahre mit mir herum. Als mir klar wurde, in welche Richtung ich musikalisch gehen wollte, da griff ich einfach auf Stücke zurück, die ich schon immer sehr mochte, die aber bis jetzt keinen Platz auf meinen Platten gefunden hatten.“

Eine Frage der Gewichtung

Auch bei der Auswahl der beteiligten Musiker ging Laurent Garnier neue Wege. So arbeitete er für „Cloud Making Machine“ unter anderem mit dem norwegischen Jazz-Pianisten Bugge Wesseltoft und dem aus Tunesien stammenden Sänger Dhafer Youssef zusammen.

„Für mich klingt mein neues Album gar nicht so radikal anders als meine früheren Werke“, erklärt Garnier. „Auch auf den ersten drei Platten finden sich immer wieder Stilelemente, wie sie jetzt abermals auf dem neuen Longplayer auftauchen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber ‚Cloud Making Machine‘ ist ebenso ein Elektronik-Album wie die drei Vorgänger, nur dass diesmal die Gewichtung ein wenig anders ist.“

Lesen bildet – auch musikalisch

Die Zusammenarbeit mit Bugge Wesseltoft hatte sich schon über einen längeren Zeitraum hin angekündigt. „Ich stand mit ihm schon bei einigen Gelegenheiten, unter anderem dem Montreux Jazz Festival, auf der Bühne. Er begleitete meine DJ-Sets am Keyboard.“ Viel von dieser lockeren Session-Atmosphäre ist auch in den zehn Songs zu hören, die sich stilistisch kaum einordnen lassen und wieder einmal zeigen, dass Laurent Garnier noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen ist.

Passend zum Album ist übrigens in deutscher Übersetzung beim Hannibal Verlag Garniers lesenswertes Buch „Elektroschock“ erschienen, in dem er anhand seiner Karriere die Geschichte von Techno erzählt.