Ein solches Projekt ist nicht ganz ungefährlich, viele prominente Kollegen und Kolleginnen sind schon daran gescheitert. Nicht so Marianne Rosenberg, die lange zögerte, dieses Thema überhaupt in Angriff zu nehmen.
„Ich konnte mir am Anfang nicht vorstellen, an diesen Songs noch etwas zu entdecken“, erzählt sie, „oder dass von diesem Punkt aus noch etwas weiter führen kann. All die Remixe, die es bis dahin von meinen Songs gab, haben mich nicht gerade hinter dem Ofen hervorgelockt. Da fand ich die Originale immer viel spannender.“
Erst als die Sängerin die ersten Layouts ihrer alten Songs im neuen Soundgewand hörte, für die Brian Rawling (Cher, George Michael, Britney Spears) verantwortlich zeichnete, war sie überzeugt davon, dass das Album funktionieren könnte.
Zeitaufwändige Annäherung
„Diese Aufnahmen haben mich von Anfang an fasziniert. Ich wusste plötzlich, dass man mit den Songs etwas Neues machen kann und dass es sich lohnen würde, der eigenen Vergangenheit noch einmal ins Auge zu blicken.“
Die Annäherung an die alten Stücke verlief allerdings sehr zeitaufwändig. „Wir haben insgesamt ein Jahr an diesem Album gearbeitet. Viele Entwürfe wurden verworfen. Ich nahm dabei die Position einer Regisseurin ein. Die Jungs aus Hannover, Mannheim, London und Berlin lieferten das Material, und ich habe dann entschieden, wie es weiterging.“
Der Gesang wurde komplett in Berlin eingespielt. Neben Brian Rawling waren an den Aufnahmen auch noch die Söhne Mannheims, Mousse T., Florian Richter und Chris Zippel beteiligt, die bereits mit den Pet Shop Boys und Melanie Thornton zusammenarbeiteten.
Zwischen Xavier Naidoo und Rio Reiser
Mit den Söhnen Mannheims spielte Marianne Rosenberg den Song „Für immer und dich“ ein, den Rio Reiser seinerzeit eigens für sie geschrieben hatte. Als Produzenten fungierten dabei Xavier Naidoo und Michael Herberger.
„Wenn es während dieses Arbeitsprozesses ein Problem gab, weil der Schlüssel für manchen Song noch nicht passte, dann diskutierten wir sehr viel über E-Mail und Telefon, bis das Ergebnis stimmte“, erzählt die Künstlerin.
„Manche Titel wurden bei diesem Prozess drei Mal komplett verworfen. Das Ziel war bei allen Songs, musikalisch einen neuen Aufhänger zu finden, um sie in die heutige Zeit zu transportieren. Sollte das nicht gelingen, so war für mich von Anfang an klar, dass ich mich wieder meinen anderen Projekten widmen würde, aus denen es mich ja herausgerissen hatte.“
Jazz und Chansons vertagt
Als die Idee zu „Für immer wie heute“ entstand, arbeitete Marianne Rosenberg nämlich bereits mit Hochdruck an einem Jazz- und Chanson-Album. „Zuerst dachte ich, die Neuaufnahme der alten Titel funktioniert ja sowieso nicht. Nachdem aber absehbar war, welchen Umfang die Arbeiten an ‚Für immer wie heute‘ annehmen, stoppte ich die Produktion der anderen Platte erst einmal. Die Musik ist zwar fertig eingespielt, doch noch fehlt mein Gesang.“
Marianne Rosenberg ist von allen Beteiligten selbst wohl am meisten überrascht, wie sehr sie die Arbeit an diesem Album fasziniert hat.
„Es war ein sehr spannender Prozess, und diese Spannung habe ich nicht erwartet. Ich dachte eigentlich, diese Aufgabe würde mich sehr schnell langweilen und ermüden. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Das fand ich zuerst ganz eigentümlich. Auf keinen Fall wollte ich jedoch die Songs einfach nur herunterspulen, ohne dass ich dabei etwas empfinde. Der Hörer merkt sehr schnell, ob man es schafft, sich auf ein Lied einzulassen.“


