Ramble Jon Krohn, so der bürgerliche Name des Produzenten, hatte auf seinem zweiten Album offensichtlich keine Lust, die Erfolgsformel des Debüts zu kopieren. Noch immer faszinieren seine kühnen Sound-Entwürfe, die sich mit geradezu aufreizender Lässigkeit zwischen den Polen Rock, Psychedelic, Pop, HipHop, Soul, Elektronik und Funk bewegen.
Doch auf „Since We Last Spoke“ überrascht er mit richtigen Songs und legt hörbar mehr Wert auf Strukturen und traditionelle Gesangsharmonien.
„Ungefähr 70 Prozent des Albums basieren auf Samples“, erklärt er selbstbewusst. „Trotzdem ist der Ansatz ein ganz anderer als bei ‚Dead Ringer‚. Früher habe ich versucht, mit möglichst vielen verschiedenen Musikern und Sängern zu arbeiten. Aber das hat nicht funktioniert. Ich habe schnell festgestellt, das ich so nicht weiterkomme.“
Anstrengung „ja“ – Druck „nein“
Folglich ist „Since We Last Spoke“ wieder fast im Alleingang entstanden. Von August 2003 bis Januar 2004 hat sich RJD2 in sein Studio zurückgezogen und intensiv an den Songs gefeilt. Denn er kann anscheinend besser arbeiten, wenn er sich nicht mit jemandem arrangieren muss, sagt er.
Seiner Kreativität hat diese Arbeitsweise nicht geschadet. „Auch wenn viele Leute mich beim letzten Album mit Lob überhäuften, bin ich die Aufgabe auch diesmal entspannt angegangen. Ich lasse mich nur ungern von außen unter Druck setzen, was aber nicht heißt, dass ich mich nicht anstrenge, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“
Nach dem Erfolg des Debütalbums gab es nicht wenige Labels und Majorfirmen, die RJD2 lukrative Verträge für die Zukunft anboten. Doch in dieser Hinsicht ist RJD2 sehr vorsichtig. „In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Musiker, die zuerst dachten, sie hätten das große Los gezogen, weil sie bei einer großen Plattenfirma einen Vertrag bekommen hatten, und die dann feststellen mussten, dass alles gar nicht so rosig war. Die Leute versprechen einem immer sehr viel, wenn man Erfolg hat.“
Eigenes Label – eigener Herr
Er hingegen habe die Arbeit seines Labels Definitive Jux in den vergangenen zwei Jahren sehr genau beobachtet – und war zufrieden: „Die Richtung, die es eingeschlagen hat, hat mir imponiert; deshalb gab es auch keinen Grund, über einen Wechsel nachzudenken.“
Für RJD2 steht die künstlerische Unabhängigkeit an erster Stelle. „Niemand sagt mir, was ich zu tun habe oder wie ich mein Cover umgestalten muss, damit es bei den Käufern besser ankommt. Ich glaube, solche Dinge sind heute wichtiger als je zuvor.“


