“Die Musikvideobranche würde ohne Videos an kreativen Möglichkeiten ärmer, finanziell und wirtschaftlich aber wahrscheinlich reicher sein, weil die Firmen dann andere Dinge machen würden, mit denen sie mehr verdienen könnten.
Die Clipbranche ist momentan in einer sehr schizophrenen Lage. Einerseits stellen wir fest, dass Videos als eines der wichtigsten Marketing-Instrumente nach wie vor gebraucht werden. Ich möchte einen hochrangigen Vertreter der Musikindustrie zitieren, der mir erzählte, wenn ein neuer Künstler durchgesetzt werden soll, fallen dem Produktmanager fünf Dinge ein: erstens Musikvideos, zweitens Musikvideos, drittens Musikvideos, viertens Musikvideos und fünftens ein Showcase, bei dem man den Künstler und das Musikvideo vorstellt. Das ist gut, weil wir wissen, dass wir wirklich gebraucht werden. Andererseits sind wir in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation. Denn die Plattenfirmen produzieren nicht weniger Videos, sondern geben weniger Geld dafür aus. Das hat dazu geführt, dass von den 22 oder 23 in Deutschland arbeitenden Firmen, von denen wiederum 18 im VMCP organisiert sind, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres sieben verschwunden sind, vier haben Insolvenz angemeldet und drei haben die Produktion von Clips aus Rentabilitätsgründen aufgegeben.
Ich muss mich klar dagegen wehren, dass ein Video mit einer guten Idee nur noch 5000 bis 10.000 Euro kostet. Dann müssen wir auch fragen, was haben Regisseur, Kameramann und das ganze Team verdient. Das hat dann mehr mit Selbstausbeutung und nicht mit normalen Marktbedingungen zu tun. Clips von Farin Urlaub für 70.000 Euro sind nicht die Regel. Für das Geld machen wir normalerweise zwei Clips. Und die Lage ist zurzeit die, dass es selbst bei den günstigeren Raten für Equipment nicht mehr reicht. Man kann nicht immer 100 Kilometer fahren wollen, wenn man nur für Benzin für 70 Kilometer hat. Genau das aber ist der Glaube bei der Musikindustrie. Und wenn wir weiter so denken, werden wir auf der Strecke bleiben – und zwar alle, die in diesem Auto sitzen.
Die Lösung kann nicht sein, dass immer nur der Musikvideomacher kreativ sein muss. Stattdessen müssen sich die Produktionsfirmen mit den Plattenfirmen schon im Ansatz gemeinsam überlegen, wie wir in Zukunft kreativ an die Produktion von Videos herangehen. Erst eine gemeinsame Kraftanstrengung kann die Lage wieder verbessern. Denn meiner Meinung nach hat sich die Qualität von Clips verschlechtert.
Wenn man nur noch 35.000 Euro ausgeben will, darf man auch nur Videos machen, in denen 35.000 Euro drinstecken. Das bedeutet dann auch, dass wir über das vermeintliche Dogma, auf Film und nicht etwa auf günstigeren Formaten wie DV zu drehen, nachdenken müssen. Denn wenn man so weitermacht wie bisher, bleibt bei diesen Etats für uns nicht nur nichts mehr übrig, nein, wir zahlen auch noch drauf. Wir sind nicht, bei allem Verständnis für die Musikindustrie, deren Subventionsunternehmen. Denn dabei gehen wir drauf.
Universal scheint mir eine rühmliche Ausnahme zu sein, wenn sie sagen, dass 88 Prozent ihrer Clips auch gespielt werden. Befragungen bei unseren Mitgliedern ergeben nämlich, dass 40 bis 45 Prozent der Clips für den Mülleimer produziert werden. Da muss man sich schon fragen, ob sich das eine Branche in Krisenzeiten noch leisten kann.
Mir geht es darum, Lösungen zu finden, wie man für weniger Geld zusammen mit der Musikindustrie konstruktive Lösungen finden kann.
Wir wollen mit einer demnächst startenden Initiative dem Ausland zeigen, dass die Firmen hier günstig Clips produzieren können. Damit können wir unsere Lage als Standortvorteil in die Runde werfen.“
Markus Peichl, Vorsitzender VMCP



