Musik

Die Branche über die Entwicklung von DVD-Audio und SACD

Formatverwirrung ist noch nicht überwunden

Joe Hugger, Leiter Musikvideo/DVD bei BMG Ariola Media, sieht in den Formaten eine Herausforderung: „Die Daseinsberechtigung für die beiden Formate rechtfertigt sich mit steigender Ausstattung von 5.1-Anlagen in den Haushalten. Die Tatsache, dass die meisten DVD-Audios auf jedem DVD-Player abspielbar sind, begünstigt diese Entwicklung. Dennoch ist die Formatverwirrung beim Musikkonsumenten noch lange nicht beigelegt. Industrie und Handel stehen vor der Aufgabe, dies zu lösen.“

Dagegen prognostiziert Alexander Welzhofer, Geschäftsführer Warner Vision Germany: „Es besteht kein Zweifel, dass DVD-Audio die CD ablösen wird. Denn es gibt derzeit kein anderes Produkt, das so viel Sound-Erlebnis und Komfort garantiert und damit der DVD-Audio die Nachfolgeposition der CD streitig machen könnte.“

Und Uta Niedenzu, Marketing Director bei Warner Vision, ergänzt: „Unsere überaus positive Einschätzung zum Thema DVD-Audio dokumentiert sich in unserer Relaunch-Kampagne, die wir zum 26.August starten. Unter dem Titel,Ohrgasmus“ werden wir eine Kampagne fahren, die die herausragenden Qualitäten des hochauflösenden Mehrkanaltons nicht nur kommuniziert, sondern auch erfahrbar macht. Die Gruppe der bisherigen DVD-User als auch der audiophil Interessierten wurde bisher in nicht ausreichendem Maße über die Möglichkeiten dieses Klangerlebnisses aufgeklärt. Dieses werden wir mit Hilfe von klar formulierten Hinweisen auf dem Packaging unterstützen. In dem Maße, in dem die Hardware-Preise günstiger werden, werden wir zusammen mit attraktiven Neuveröffentlichungen in der Lage sein, auch zunehmend jüngeres Klientel für das Thema zu begeistern.“

Bernhard Rössle, CEO Record Department bei in-akustik, urteilt: „Es hat dem Markt noch nie gut getan, wenn um zwei verschiedene Formate, die wie jetzt DVD-Audio und SACD nicht kompatibel sind, gestritten wird. Erst recht dann nicht, wenn es sich um den kleinen audiophilen Markt handelt. Diese Produkte können nur Chancen haben, wenn Multiplayer zu akzeptablem Preis stärker am Markt vertreten sein werden.“

Für Ralf Schalck, Director Catalogue Marketing bei Sony Music, steht der Zusammenhang zwischen Playern und den angebotenen Inhalten im Vordergrund: „Zunächst ist natürlich eine ausreichende Penetration der Abspielgeräte Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der hochauflösenden Tonträgerformate. Da bereits von vielen Hardware-Anbietern Kombiplayer – die sowohl DVD als auch SACD abspielen können – angeboten werden, können wir mittelfristig von einer ausreichenden Marktdurchdringung ausgehen. Entscheidend ist auch, die Künstler von den klanglichen Möglichkeiten zu begeistern und das Software-Angebot weiter schnell zu erhöhen. Hierbei ist besonders von Bedeutung, neue Releases zeitnah auch als SACD anzubieten, wie wir dies beim aktuellen Album von Celine Dion realisiert haben.“

Dr. Carl Mahlmann, zuständig für Business Planning bei EMI Recorded Music, informiert: „Die uns bekannten Marktzahlen deuten darauf hin, dass DVD-Video einen sehr großen Vorsprung vor den reinen Audio-Formaten hat. Oder noch einfacher ausgedrückt: unsere Käufer besitzen im Regelfall an TV-Geräte angeschlossene DVD-Player mit der Aufschrift,Video“, für die dann auch laufende Bilder erwartet werden. Wie das Format im einzelnen heißt und woraus es technisch besteht, ist für die meisten uninteressant. Also besteht unsere Aufgabe darin, Formate anzubieten, die auf den verbreiteten Geräten laufen. Zudem sollten diese Discs Mehrkanalton anbieten, weil Ende des Jahres bereits über ein Prozent der Haushalte über Surround-Anlagen verfügt. Gleichzeitig müssen diese Geräte, wenn der Fernseher angestellt wird, auch in einem gewissen Rahmen Videomaterial zeigen. Probleme gibt es schon, seitdem sogar Radiosender ihre Hörer darin unterrichten, wie man am besten Musik-DVDs auf CD-Rs kopiert. Wenn der Brenner-Virus jetzt auch noch auf das DVD-Format übergreift, sieht es wirklich nicht gut aus für die Entwicklung der Musikvideos.“

Skeptisch bleibt indes Andrea Kossin, Manager DVD bei der Universal Marketing Group: „Die SACD bietet das absolute Klangerlebnis, und der natürliche Kopierschutz ist das wohl essenziellste Marketingargument, dieses Format zu etablieren. Wichtig wäre es jedoch, für SACD eine breitere, kommerziellere Plattform zu schaffen. Bei der Verbreitung der Player ist noch ein längerer Weg zu beschreiten. Die Kommunikation an den Konsumenten über die Unterschiede der Formate müsste deutlich verbessert werden.“

Jürgen Klimmeck, Geschäftsführer Syrinx, erzählt: „Ein lustiger fünfzehnjähriger Kopierschutzknacker aus dem skandinavischen Norden beendete damals bis auf weiteres die Profitträume für DVD-Audio. Die Musikindustrie ging bis heute strategisch auf Abstand vom Format. Seitdem ist dieses Thema gut für Freaks, Nischenteilnehmer und Formatentwickler der Zukunft. Sony/Philips haben auch für SACD viel Geld ausgegeben, bisher ebenfalls ohne kommerziellen Erfolg. Für mich ist inzwischen die Musik-DVD das deutlich spannendere Thema.“

Schließlich kritisiert Antje Lange, Managing Director bei Sanctuary Records: „Ich würde mir wünschen, dass die Verantwortlichen mehr Energie in den kreativen Prozess stecken, um für die Künstler und Fans das Bestmögliche aus den bestehenden DVD-Formaten herauszuholen, statt ständig über neue Formate etwa im Bereich DVD-Audio nachzudenken. Denn hier ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft.“