Musik

Die Anzeigenlage bei Intro

Herausgeber Matthias Hörstmann sieht die Anzeigenlage nicht kritisch, da Werbung aus dem Lifestyle-Bereich in den letzten Jahren beständig zugenommen habe.

Wie im TV-Werbemarkt haben die Firmen ihre Werbebudgets auch bei den Print-Titeln gekürzt. Den Einbußen versucht das Gratismagazin „Intro“ mit mehreren Methoden entgegenzusteuern. Das Heft finanziert sich nicht ausschließlich durch das Anzeigengeschäft, sondern weist unterschiedlichste Sonderwerbeformen und Kooperationen zu Tonträger-Releases, Filmstarts oder Events auf. „Das große Dotcom-Sterben hat sich deshalb bei ‚Intro‘-Print nur peripher ausgewirkt, da die Buchungen im Jahr 2000 zwar rasant stiegen, der Anteil am Gesamtanzeigenerlös dennoch verhältnismäßig gering ausfiel.

Schwieriger stellt sich da die Situation bei der Vermarktung von intro.de dar. Hier haben wir mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie alle anderen Content-Sites. Denn das Banner-Geschäft, das letztes Jahr sehr vom Startup-Fieber und der geradezu blinden Euphorie profitierte, wird derzeit geradezu zwangsläufig auf den Boden geholt. Wir sind dennoch bester Dinge, über eine zielgerichtete Positionierung und mit zahlreichen kreativen, auf unsere Anzeigenzielgruppe maßgeschneiderten Sonderwerbeformen eine Trendwende einzuleiten. Und die Stimmung am Markt wird nach der derzeitigen Konsolidierung und Bereinigung sicher auch wieder bessere Zeiten erleben.“

Als Mitbewerber im Anzeigenverkauf nennt Hörstmann die Zeitschriften „Blond“, „Groove“, „Juice“, „Prinz“ und „Style“, wobei den größten Anteil am Umsatz noch immer die Musikbranche ausmache. Das begründet er damit, dass der Titel als reines Musikmagazin gestartet sei. Zuwachsraten stammen aus den Branchen Mode/Equipment, Computer-/Konsolenspiele, Tabak, Softdrinks/Bier/Alkohol, Parfüm/Körperpflege, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation. „Seit langer Zeit sind wir im Wettbewerb der Musiktitel führend und auch in Marken-Segmenten gewinnen wir deutlich dazu. Dennoch würden wir uns manchmal wünschen, dass Planer weniger Schubladen-formatiert vorgehen, denn nicht selten fällt eben die Zuweisung für unsere Titel ‚Intro‘ und ‚Festivalguide‘ nach klassischen Mustern schwer“, glaubt Hörstmann.

Unproblematisch schätzt er hingegen die Konkurrenzsituation im Vergleich mit den Kaufzeitschriften ein: „Die Beurteilung eines Titels erfolgt immer seltener nach dem Verkaufspreis, und das ist gut so. Das Image der Gratistitel ist besser geworden, auch wenn es in Einzelfällen natürlich immer noch vorkommen kann, dass ein Argument wie ‚Kampagne ist ausschließlich für Kauftitel‘ vorgebracht wird. Wir brauchen uns hinter keinem Kauftitel im Segment zu verstecken. Wir verstehen die Gratis-Verteilung nicht als zu rechtfertigenden Makel. Hinsichtlich der enormen Reichweite mit über 250.000 regelmäßigen Lesern und durch die erlangte Qualität des Magazins erweist es sich sogar als unschlagbarer Vorteil. Zudem begegnet das Magazin seinen Lesern bundesweit in über 2000 ausgewählte Outlets genau dort, wo Kauftitel gerne wären – mitten in der Szene.“

Den Vorwurf mangelnder Glaubwürdigkeit bei einem kostenlos verteilten Magazin weist er von sich: „Richtig ist, dass es am Markt noch immer viel zu viele Anzeigenblätter mit zweifelhaftem Niveau gibt, worunter die guten Gratis-Titel leiden. Bei ‚Intro‘ ist die Entwicklung entscheidend: Das Magazin hat sich über die zehn Jahre seines Bestehens aus einem reinen Fanzine-Status heraus mit den Antriebsfedern Idealismus und Begeisterung für die Sache behutsam entwickelt. Von jeher vermitteln die redaktionellen Aussagen klare Meinungen. Außerdem sind wir stolz auf die redaktionellen Beiträge und das Magazin-Layout, die hohe Ansprüche erfüllen und dem Heft ein eigenes Gesicht geben. Wir beziehen Position, polarisieren, setzen Trends und nehmen für unsere Leser eine Opinion-Leader-, also eine Meinungsmacherfunktion ein.“