Musik

Diana Krall: Tour de Force der großen Gefühle

Die kanadische Jazz-Sängerin Diana Krall überzeugt mit ihrem Album „The Girl In The Other Room“ auf ganzer Linie. Das verdankt sie nicht zuletzt der tatkräftigen Unterstützung ihres Gatten Elvis Costello.

Die Nachricht verbreitete sich Ende 2002 schnell wie ein Lauffeuer: Die kanadische Jazz-Sängerin Diana Krall und der englische Songpoet Elvis Costello sind ein Paar. Als die beiden 2003 heirateten, steckte Diana Krall noch mitten in der Arbeit an ihrem neuen Album, und viele Beobachter fragten sich, welche künstlerischen Auswirkungen die Ehe wohl haben würde, zumal man bereits Costellos Album „North“ als Hommage an seine Ehefrau auffassen konnte. Jetzt allerdings besteht kaum noch Zweifel: Diana Kralls neues Album, „The Girl In The Other Room“, ist ein Meisterwerk. Natürlich spürt man die Mitwirkung Elvis Costellos, aber allein darauf lässt sich das grandiose Ergebnis nicht reduzieren. Die kanadische Sängerin hat in jeder Hinsicht einen gewaltigen Sprung gemacht, musikalisch, interpretatorisch und persönlich. Vor allem die Ausstrahlung ihrer Stimme, die auf früheren Alben mitunter etwas glatt wirkte, hat gewonnen. So nimmt „The Girl In The Other Room“ den Hörer vom ersten bis zum letzten Song gefangen.

„Normalerweise ist es bei mir kein bewusster Prozess, etwas zu verändern. Aber bei diesem Album habe ich darauf geachtet, dass der Klang der Stimme in einem anderen Licht erscheint“, erklärt Diana Krall. „Ich wollte einfach, dass mein Gesang ein wenig kantiger klingt, denn ich glaube, dass sie sich seit dem Album,The Look Of Love‘ verändert hat. Und dieser Aspekt sollte in den Vordergrund treten.“ Zum ersten Mal tritt Diana Krall, neben der Auswahl von Cover-Versionen, zum Beispiel Mose Allisons „Stop This World“, auch als Songautorin im Gespann mit Elvis Costello auf. „Er hat mir geholfen, einige Ängste zu besiegen, die ich vor dem Songschreiben hatte“, sagt sie. „Er ist ja ein hervorragender Songschreiber. Und es war wundervoll, mit ihm zusammen zu arbeiten.“ So erweisen sich Songs wie „I’ve Changed My Adress“, „I’m Coming Through“ oder „Departure Bay“ als überzeugende Ergebnisse dieser Teamarbeit. Schwere Schick-salsschläge musste Diana Krall seit ihrem Album „Live In Paris“ verkraften: Der Tod ihrer Mutter nach langer Krebserkrankung war für sie ein Verlust, den sie noch nicht verwunden hat. Der Tod ihrer Mentorin Rosemary Clooney war ebenfalls ein schwerer Schicksalsschlag. Das hat auf der CD Spuren hinterlassen. „Das Album ist wie eine Reise, aber keine, die nur Trauer oder nur Freude bereithält. Das Album reflektiert diese Gefühlszustände. Alle einzelnen Songs sind Teil eines großen Ganzen.“