Das beklagt zum Beispiel Rudy Holzhauer. Der Geschäftsführer des Musikverlags Progressive Musik und Leiter des U-Ausschusses im Deutschen Musikverleger-Verband (DMV) forderte deshalb zum Beispiel im Rahmen der von musikwoche.de und dem Entertainment Media Verlag durchgeführten Online-Befragung, mediatrend-Ted, dass sich in den Köpfen von Politikern aller Fraktionen ein Problembewusstsein bilden müsse für Fragen wie eine Quotenregelung für das deutsche Radio. Der DMV ging deshalb im Rahmen der diesjährigen Popkomm. in die Offensive: Eine Powerpoint-Präsentation weist im Eingangsbereich der Messe auf das Dilemma hin: So sind in den Longplay-Charts von Media Control, die die bundesweiten Verkäufe auswertet, immerhin 23 Longplayer aus nationaler Produktion, davon 15 deutschsprachige Titel, unter den 100 bestverkauften Alben vertreten. Bei den Singles fanden sich unter den 100 Hits des Jahres sogar 28 hier zu Lande produzierte Songs, darunter elf deutschsprachige.
Auch bei dieser Hitliste handelt es sich seit dem Jahr 2000 um reine Verkaufs-Charts; die zuvor eingerechneten Radioeinsätze finden keine Berücksichtigung mehr. Im Vergleich mit den ebenfalls von den Baden-Badener Marktforschern von Media Control zusammengestellten Airplay-Charts zeigt sich, dass deutsche Produktionen im Radio nicht den ihnen gebührenden Platz finden: Unter den 100 meistgespielten Titeln im Radio finden sich nur zehn heimische Produktionen, ein deutschsprachiger Song ist unter den 100 Top-Hits der Airplay-Charts gar nicht zu finden. Der meistgespielte deutschsprachige Song des vergangenen Jahres findet sich hier erst auf Rang 163: „Aff un zo“ von der Kölner Formation Bap. Bis zum Rang 200 folgen noch ganze zwei weitere Titel, vom Rapper Samy Deluxe „Weck mich auf“ und von Glashaus „Wenn das Liebe ist„.
Der erfolgreichste Titel unter den zehn nationalen Produktionen auf den ersten 100 Plätzen der Airplay-Charts, „Let’s Get Back To Bed – Boy!„, steht auf Rang 17 und stammt von Sarah Connor. Die Sängerin schaffte als einziger nationaler Act den Sprung in die Top 20. In den Verkaufs-Charts rangiert dagegen die Formation No Angels sowohl bei den Alben als auch bei den Singles auf Rang eins. Insgesamt fünf Alben und drei Singles schafften den Sprung unter die 20 bestverkauften Titel der Charts. Unter den Top 50 beider Verkaufs-Charts finden sich jeweils rund doppelt so viele Titel aus heimischer Produktion wie unter den Top 50 der Airplay-Liste. Dort ist die Sängerin Sarah Connor ebenso wie Melanie Thornton mit insgesamt zwei Titeln vertreten, die Formation No Angels konnte sich gar dreimal platzieren. Die drei verbleibenden deutschen Hits steuerten Jam & Spoon, ATC und Orange Blue bei.



