“Dass es der Musikbranche schlecht geht, ist fast schon eine Binsenweisheit. Nun aber wurde bei der Popkomm. ein vermeintlicher Rettungsanker ausgeworfen, der eigentlich längst als erledigt galt und eher einer Nebelkerze gleicht: Die Quote soll es richten! Was für ein Blödsinn. Da die Medien landauf landab diesen Unsinn aufgebauscht nachplappern, müssen die Gründe nochmals genannt werden, die gegen eine derartige Quote sprechen:
· Ich lehne generell eine Bürokratisierung des Musikgeschäfts ab. Welche Quoten will man denn als nächstes erfinden?
· Bereits jetzt läuft schon mehr als genug deutsche Musik in den Radios – das Problem ist doch nicht, dass nicht genug deutsche Musik läuft, sondern das Problem ist, dass nicht genug gute Musik im Radio läuft. Mir ist jedenfalls nicht damit geholfen, wenn ich im Radio künftig zu 50 Prozent Sarah Connor, Böhse Onkelz, No Angels, BAP, Scorpions und Xavier Naidoo hören muss, und ich bin mir sicher, dass all diejenigen, die schon jetzt das – von der Musikindustrie produzierte und klaglos hingenommene, wenn nicht sogar geförderte – Formatradio nicht ertragen, dann auch abschalten würden.
· Unser Problem ist doch Qualität. Es findet zu wenig Qualität in den Radios statt. Und auch die öffentlich-rechtlichen Sender erfüllen schon längst nur noch eingeschränkt ihren Kulturauftrag und bedienen ihre Hörer mit dumpfem Mainstream. Die guten Radiosendungen sind bundesweit rar gesät. Sollen diese Sendungen mehr werden, bloß weil zur Hälfte deutsche Musik ausgestrahlt werden muss?
· Ich halte das Argument der Quote für deutsche Musik ausgerechnet in Zeiten des Europagedankens für ewiggestrig, es hat dumpfe, nationale Züge. Wenn ausländische Musik besser ist, will ich ausländische Musik hören. Ich will Manu Chao und Coldplay und Solomon Burke hören, um nur einige zu nennen. Und ich will mir stattdessen nicht von Gebhardt und Konsorten vorschreiben lassen, dass jeder zweite Song von Sarah Connor oder BAP sein muss.
· Ich finde es extrem unappetitlich, dass ausgerechnet in Deutschland eine Forderung wach wird, die – wenn auch vielleicht nur von Ferne und wenn sie vielleicht auch nicht so gemeint sein mag – an etwas erinnert, das es hier schon einmal gab: ‚Deutsche, hört deutsche Musik!‘ Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht übersensibel.“



