Musik

„Des Pudels Kern liegt in der Großmannsucht der Weltkonzerne“

Thomas Ritter, Büro 76/elbtonal/stumble, Hamburg

Ich begüße die klaren Worte von Herrn Nida-Rümelin ausdrücklich und beglückwünsche ihn zu seiner klaren Sicht auf die Dinge. Wenn ich mir als Manager von Nachwuchsbands jahrelang von Industrieseite anhören musste, man sei leider nur noch in der Lage, Bands von „20.000 Einheiten auf 50.000 Einheiten“ zu bringen (Klartext: Aufbauarbeit müssen andere machen), und zudem reihenweise Bands gedropt werden, weil die erste Single nicht „funktioniert“ hat, dann kann die Industrie nicht ernsthaft nach der Politik rufen. Das ist außerordentlich peinlich. Des Pudels Kern liegt in der Großmannsucht von Weltkonzernen, die sich die Musikbranche einverleiben und sie wieder ausspucken, wenn die wirtschaftlichen Vorgaben nicht erfüllt werden. So hat natürlich keiner mehr Zeit, einen Künstler über Jahre aufzubauen. Die Probleme sind komplett hausgemacht, und die Politik kann sowieso nur Rahmenbedingungen schaffen. Die aber muss die Musikwirtschaft selber mit Inhalten füllen. Ein Exportbüro kann so eine Rahmenbedingung sein, aber sie wird nur denjenigen Nutzen bringen, die mit Kreativität für Kreativität arbeiten. Und das sind zur Zeit fast ausschließlich die unabhängigen Firmen.