“ Seit deinem letzten Album „Hot Shot“ ist Shaggy wieder in aller Munde und erfolgreicher denn je. Fühlst du dich, gemäß des Titels deines neuen Albums „Lucky Day„, glücklich?
Ja. Und weißt du worauf ich besonders stolz bin? Dass ich es schaffe, gleichzeitig in den weltweiten Popcharts die Nummer Eins zu sein und für die Leute in meiner Heimat Jamaika der Größte zu sein. Das hat vor mir noch nie jemand geschafft und darauf bin ich sehr stolz.
“ Inzwischen hast du als Reggae-Künstler mehr Platten als Bob Marley verkauft. Ist das eine schwer zu tragende Bürde?
Egal wie viele Millionen Alben ich verkauft habe: Der King bleibt der King. Und das ist Bob Marley. Ich könnte niemals in seine Fußstapfen treten und versuche das auch gar nicht. Denn auch ich schaue nach wie vor zu ihm auf und lerne auch jetzt noch aus seinen Songs. Er verkörpert einen Mythos, den ich niemals erreichen kann. Daran ändern auch alle Platin-Awards nichts.
“ In deinen Songs gibst du dich gern als Super-Macho und redest von dir als „Mr. Lover Lover“. Gibt es in deinem Leben wirklich so viel Action?
Ach was. Ich wünschte, es wäre so! (lacht) Welcher Mann behauptet denn schon ernsthaft von sich „Mr. Lover Lover“ zu sein? Der Typ müsste ein verdammt großes Ego haben. Meine Songs sind inhaltlich immer nur ein großer Spaß und mit einer ironischen Note versehen.
“ Shaggy ist also mehr oder weniger eine Zeichentrickfigur?
Ja und ich habe mit ihr verdammt viel Spaß. Ich glaube, dass die Leute das auch begreifen. Jedenfalls ist noch kein echter Macho auf mich zugekommen und hat mir wegen meiner Texte auf die Schulter geklopft.
“ Und wie würdest du auf so etwas reagieren?
Ich würde ihm den Kopf waschen und ihm klar machen, dass er sein Machogehabe besser sein lassen sollte. Denn ohne Frauen gäbe es uns alle nicht. Meine Mum hat mir mein Leben und eine gute Erziehung geschenkt, obwohl wir kaum Geld hatten. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.
“ Und eine andere Frau hat dir zwei Söhne geschenkt. Was denken die über die witzigen Macho-Songs ihres Daddys?
Die wissen inzwischen sehr genau, dass ich in meinen Liedern gerne maßlos übertreibe. Ich habe die Kids schon auch im Hinterkopf, wenn ich Texte schreibe. Deshalb brauche ich auch keine Warnsticker auf meinen CDs. Ich packe mir nicht ständig in den Schritt, rauche kein Dope und nuschele nicht ständig „Motherfucker“. Denn ich möchte ja auch nicht, dass meine Söhne zu mir sagen: „Hey Alter, verpiss Dich.“
“ Hast du deshalb ein Loblied für alle Frauen mit „Strength Of A Woman“ auf deinem neuen Album?
Ja und weil es ein wunderbarer Gegensatz zu Nummer wie „Hey Sexy Lady“ ist. Wer trägt denn die Menschheit mit Liebe durch Krisen? Die Frauen.
“ Apropos Krisen. Du hast im ersten Golfkrieg als Soldat gekämpft. Wie hast du den Krieg erlebt?
Als etwas furchtbar Grausames. Ich fand den Krieg so schlimm, dass ich mir anschließend geschworen habe, die Menschheit glücklich zu machen. Und das versuche ich mit meinen Songs. Wenn ich es schaffe, den Menschen durch meine Lieder ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, habe ich erreicht was ich erreichen wollte.
“ Auf „Lucky Day“ kehrst du wieder mehr zum Reggae zurück. War „Hot Shot“ für dich nur ein Ausflug in die Popmusik?
Es stimmt, „Lucky Day“ klingt mehr nach Reggae als „Hot Shot“. Aber die Leute lieben meine Musik weil ich beides in ihr vereine. Den Reggae und die Popmusik. Und das tue ich bei „Lucky Day“ auch wieder.
“ Lebst du immer noch auf Jamaika?
Ich verbringe ungefähr die Hälfte des Jahres auf Jamaika, weil es meine Heimat ist. Die andere Hälfte verbringe ich in New York, weil ich dort mein Studio habe und an meiner Musik arbeite. Aber wenn ich mich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden müsste, würde ich mich für Jamaika entscheiden. Denn dort liegen meine Wurzeln – die persönlichen und musikalischen!


