Musik

Der Musikfachhandel an den Tagen nach dem Terror: Bis zu 50 Prozent Minus: Leere in den Läden

Die Terroranschläge in den USA trafen den Tonträgerhandel in Deutschland nicht nur emotional. Die Schockwirkung in der Bevölkerung hinterließ auch in den Kassen merkliche Spuren. musikwoche.de fragte nach.

In einer Stichproben-artigen Befragung versuchte die Redaktion ein erstes Stimmungsbild des Handels nach der Tragödie in den USA zu zeichnen. Ergebnis: Viele Musikkunden blieben in der Woche nach dem 11. September den Plattenläden fern.

So beklagt zum Beispiel Hugo Heinzen, Inhaber der Plattenkiste in Bad Neuenahr und Beisitzer des Fachverbands Tonträger beim Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM), massive Einbussen: „Seit dem Tag des Unglücks sind die Umsätze schlagartig um 20 Prozent zurückgegangen. In der Folgewoche gab es allerdings eine leichte Verbesserung, aber sämtliche Party-Compilations laufen gar nicht mehr. Dafür gibt es eine riesige Nachfrage nach ‚Only Time“, dem Song von Enya.“

Cord Dierking, Geschäftsführer von aktiv Musik & mehr in Nienburg, berichtet davon, dass die „komplette Innenstadt am Nachmittag des 11. September wie ausgestorben“ war. „Wir hatten immense Umsatzeinbußen auch noch am Mittwoch. Zum Wochenende hin wurde es dann wieder besser.“

Ein ähnliches Bild liefert das KulturKaufhaus Dussmannin Berlin: Am Tag des Anschlags kam es zu Umsatzrückgängen in allen Bereichen, so ein Sprecher des Unternehmens, das sich direkt neben der US-amerikanischen Botschaft befindet. Mittlerweile habe sich die Situation jedoch wieder normalisiert, hieß es.

Auch Ben Ijzendoorn, Inhaber von Ohrwurm Records in Miltenberg/Main, musste „einen starken Absatzrückgang am Tag der Katastrophe“ hinnehmen. „Auch die Tage danach waren mau. Mittlerweile hat sich die Lage wieder stabilisiert, aber wir schreiben immer noch bescheidene Verkaufszahlen.“ Deutliche Worte zur Lage findet Jörg Tolle, Geschäftsführer von SiTo aktiv Music in Lüneburg: „Es ist wohl ähnlich wie im Golfkrieg 1991: Am Tag des Angriffs war unser Haus schlagartig verwaist. Wir hatten fast 50 Prozent Umsatzrückgänge. Am Wochenende reduzierten diese sich dann zwar auf 20 bis 30 Prozent. Aber in der Woche darauf wuchsen sie wieder auf rund 50 Prozent an. Da hilft auch Enya nicht. Die Menschen haben jetzt einfach keinen Bock auf Entertainment.“

Ein ähnliches Bild ergab sich bei Rimpo Tonträger in Tübingen: Noch könne man dort keine expliziten Angaben darüber machen, inwieweit der Absatz beeinflusst wird, jedoch gehe man von Verlusten aus.

Und Walter „Charly“ Hohner von Charly“s Plattenladen in Bochum meinte: „Wir hatten noch nie mit solchen Einbußen zu kämpfen, aber wir verstehen die Menschen. Wer denkt schon in einer solchen Situation daran, Musik zu kaufen?“