Musik

Dem Regime verbunden, musikalisch frei

Als Serge Prokofieff am 5. März vor 50 Jahren verstarb, galt er als einer der Vorzeigekünstler der UdSSR, hoch geachtet im Westen für seine Virtuosität und seinen avandgardistischen Stil. Gleichzeitig kollidierte er mit der sturen Kulturpolitik des stalinistischen Regimes, die ihm die Grenzen seines künstlerischen Schaffens wies.

Zahlreiche Neuveröffentlichungen rund um den Todestag zeigen das stilistisch höchst unterschiedliche Werk Prokofieffs. Einen guten Überblick liefert die „Compactothèque“ auf zwei CDs. Der Universalkatalog enthält nicht nur Schlüsselwerke Prokofieffs wie „Peter und der Wolf“ und Klavier- und Violinkonzerte, sondern auch eine Reihe seiner Opern in den quasi authentischen Interpretationen des Kirow-Ensembles unter Valery Gergiev. Ein 72-seitiges Booklet erklärt zudem die geschichtlichen Umstände und die Verbindung zu Prokofieffs Schaffen. Warner Classics bemüht sich um eine umfassende Werkschau und veröffentlicht eine Prokofieff-Box mit 24 CDs. Thematisch geordnet gibt es die Symphonien, Konzerte, Schauspiel- und Filmmusik sowie Instrumental- und Kammermusik auch als fünf Einzelausgaben.

Prokofiev: Sinfonia Concertante – Han-Na Chang, London Symphony Orchestra, Antonio Pappano

EMI Classics, Best.-Nr.: CDs 5 57438 2, VÖ: 14. Februar

Die Sinfonia Concertante und die Sonate C-Dur feierten die stalinistischen Kulturhüter als „reumütige Gabe eines reformierten Formalisten“. Obwohl von Prokofieff umgeschrieben, spürt man in ihnen den ursprünglichen Funken sardonischer Ironie, mit der er dem Regime trotzte – und den Han-Na Chang nun mit berechnender Leidenschaft zum Leben erweckt.

Warner will Maßstäbe setzen – und das schafft die Plattenfirma mit bislang unveröffentlichtem Material und maßgeblichen Aufnahmen, komplettiert durch Interviews, Gesangsaufnahmen und Klavier-Improvisationen Prokofieffs. Erwähnenswert ist vor allem die fünfte CD-Box, die auf fünf CDs die vielfach preisgekrönte Gesamtaufnahme der 1959 uraufgeführten Oper „Krieg und Frieden“ mit Galina Wischnewskaja und Nicolai Gedda unter der Leitung von Mstislaw Rostropowitsch enthält. Ein weiteres wichtiges Element im Werk Prokofieffs sind die neun Klaviersonaten. Naxos hat sie jüngst mit den Sonaten 5, 6 und 9 komplettiert, nun liegen sie auf drei CDs, eingespielt von Bernd Glemser, vor. Prokofieff schrieb sie zwischen 1907 bis 1947 und dokumentierte in ihnen sein bewegtes Leben. Ein außergewöhnliches Produkt bietet das Münchner Label Orfeo mit den „Liedern“. Unter anderem die Vertonung von Hans Christian Andersens „Das hässliche Entlein“ (1914) zeigt den frühen Prokofieff als Enfant Terrible.