Musik

Def Jam Germany: Erfolgreiches Eintauchen ins Goldfischbecken

„Die Historie des Labels verpflichtet“ – mit diesen Worten beschreibt Andreas „Bär“ Läsker, Präsident von Def Jam Germany, das Programm der im letzten Jahr gegründeten deutschen Dependance.

Das amerikanische Mutter-Label Def Jam entfaltete von Beginn an ein einmaliges stilistisches Spektrum, das von Rap-Pionieren wie Public Enemy und Run DMC über die Beastie Boys, die ersten weißen Rap-Stars, bis zu Thrash-Metallern wie Slayer reichte.

„Ich persönlich fahre eine breitere Schiene als nur HipHop. Wir werden also auch Crossover-Artists herausbringen“, bekräftigt Läsker. Neben Def Jam Germany existiert das Label Def Soul sowie ein Ableger namens Aufgang B, der sich dem Aufbau von Nachwuchskünstlern aus dem HipHop-Bereich widmet.

Ein Jahr gibt es die Company in Berlin-Kreuzberg jetzt: „Es war nicht ganz einfach, sich in Berlin als Teil von Universal zu entwickeln. Wenn die Mutterfirma in Hamburg sitzt, gibt es Probleme mit der Durchsetzung von Vorstellungen. Aber das Gröbste haben wir hinter uns“, freut sich Läsker. „Inzwischen haben wir auch das Personal zusammen und können die ersten Charts-Erfolge feiern – somit sind wir aus der Gründungsphase raus.“

Eine ganze Reihe von Veröffentlichungen kündigt der Präsident von Def Jam Germany an: „Bei Def Soul sind es drei Acts: Binitia kommt gerade auf den Markt, dann folgt Deema. Ferner erwarten wir eine Sängerin aus Amerika mit Namen Christina Milian, von der wir uns viel versprechen. Bei Def Jam geht es mit Pyranja los, dann folgen Phillie MC und die Solo-Alben der Spezializtz, Oliver Harris und Dean Dawson. Für Aufgang B haben wir jetzt Glanz FX aus Bremen unter Vertrag genommen.“

Angegliedert bei Def Jam Germany ist das Aachener Label Put Da Needle To Da Records, das mit Ruhrpott AG und Creutzfeld & Jakob zwei angesagte Acts ins Feld führt. Ferner hat es mit Kool Savas einen veritablen Unterground-Star im Stall, der bereits Gast bei fast jedem namhaften Deutsch-Rapper war. „Jeder kennt ihn. Es kursieren massenhaft MP3s von ihm, aber ein Album von Kool Savas ist nicht vor Sommer 2002 zu erwarten“, wundert sich Läsker.

Den Standort Berlin beurteilt der Def -Jam-Präsident, der übrigens nicht festangestellt ist, positiv: „Als Stuttgarter ist man nicht gerade verwöhnt. Es ist wesentlich einfacher, Menschen zu einem Treffen in Berlin zu bewegen. Schlägt man Stuttgart als Treffpunkt vor, sagen alle:,Oh Alter, muss das sein?'“, berichtet er. „Ich mag den Kiez hier in Kreuzberg. Außerdem sei alles wesentlich günstiger, was Mieten oder Restaurants angeht. In Sachen Service dagegen ist Berlin Entwicklungsland. Hier heißt es oft:,Ham wa nich‘!“ Aber das ist auch spannend. Eine Vier-Millionen-Stadt, die ihre wirtschaftliche Kraft so wenig entwickelt hat, ist für einen Schwaben natürlich hochinteressantes Terrain.“

Interessant ist auch die Medienlandschaft von Berlin und Brandenburg. „Du hast hier Rockradio Fritz, Sender für schwarze Musik wie Kiss FM und Jam FM. Allein in dieser Region kann man von einem Act eine gute Stückzahl verkaufen. Wenn du Berlin geknackt hast, hast du schon mal was in der Hand, aber du kannst hier natürlich auch mordsmäßig auf die Fresse fliegen.“

Am meisten freut sich das HipHop-Schwergewicht über das künstlerische Potenzial der Hauptstadt. „Reibung erzeugt Wärme. Durch die Ost-West-Spannung, die hier stärker ist als anderswo, hast du hier eine Menge Reibung und jede Spielart der Musik. Hier laufen tagtäglich Künstler rein, bei denen ich mich frage:,Wo kommt der denn her?‘ Ich würde die Szene als ein riesengro§es Goldfischbecken bezeichnen.‘