“‚Intro‘ hat sich nie festgelegt und stets neu definiert. Das lässt uns schneller und variabler auf Themen reagieren, ganzheitlich und mit unterschiedlichen Sichtweisen“, so umreißt Herausgeber Matthias Hörstmann das redaktionelle Konzept des Heftes, das im Mai des vergangenen Jahres mit Thomas Venker einen neuen Chefredakteur erhielt.
„Das Heft, so wie es sich derzeit präsentiert, ist das Ergebnis ausführlicher Gespräche innerhalb der Redaktion nach meinem Start. Der Ansatz ist nach wie vor, die Popkultur möglichst facettenreich zu reflektieren. Geändert hat sich die Herangehensweise: Seit der Augustausgabe 2000 – der ersten Ausgabe, in der sich die neuen Beschlüsse manifestierten – ist ‚Intro‘ geprägt von einer deutlich strikteren Themenauswahl“, erläutert Venker. Die kleinstmögliche Darstellungsform sind demnach einseitige Beiträge. Als „Profilspeerspitze“, so Venker, präsentiert das Heft die Themen des Monats in Form von vierseitigen Titelgeschichten und jeweils drei Artikeln über drei Seiten.
„Die Autoren müssen in der Lage sein, aktuelle Veröffentlichungen in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. Oder, wie wir es gern sagen: zu kontextualisieren. Es ist klar, dass das nicht bei jedem Thema machbar und nötig ist, es sollte aber das generelle Anliegen sein, um so dem Leser in der Veröffentlichungsflut eine Art Leitfaden mit auf den Weg zu geben. Letztlich führt dieser Ansatz zu den immer wieder vorkommenden Sonderstrecken“, ergänzt der Chefredakteur. So widmete sich das April-Heft in diesem Jahr dem Thema England, während in der Popkomm.-Ausgabe „Girls in Music“- und die „Eighties“ eigene Strecken bilden. Bei der Abrenzung zu anderen Musikzeitschriften sieht Venker „Intro“ als ein Massenmedium: „Zeitschriften wie ‚Visions‘, ‚Spex‘, ‚Musikexpress‘ oder der ‚Rolling Stone‘ haben ihre spezifische Lesergruppe. Wir sind uns hingegen unserer Rolle als übergreifendes Massenmedium bewusst und versuchen, dem sowohl thematisch als auch stilistisch gerecht zu werden.
Das fordert einen konsequenten Genre-übergreifenden Ansatz bei einer anspruchsvollen, aber nicht aufgesetzt-intellektuellen und dennoch extrem lockeren Behandlung der Themen. Generell ist es uns wichtig, dass die Autoren ein Profil besitzen, weshalb auch gern persönliche Gesichtspunkte in die Artikel einfließen dürfen, sofern es die Rahmenbedingungen rechtfertigen.“ Hörstmann fügt hinzu: „Inhaltlich messen wir uns jedoch eher mit dem ‚Jetzt Magazin‘, dem ‚Rolling Stone‘ und der ‚Spex‘. Es ist aber zu unterstreichen, dass ‚Intro‘ bei seiner Intention und Funktion am Markt eine echte Sonderstellung einnimmt und sich somit nicht so stark an anderen deutschen Titeln orientiert.“
Ein anderer wesentlicher Unterschied besteht im Verzicht auf einen Distinktionsgewinn durch ein möglichst frühes Aufgreifen neuer Trends oder Platten. „Es ist uns nicht sonderlich wichtig, Themen ein oder zwei Monate vor Veröffentlichung im Heft zu behandeln. Wir arbeiten eher Release-gebunden. Denn die frühzeitige Besprechung geht zum einen an den Interessen der Leser vorbei, die uns sehr wichtig sind. Zum anderen muss es der redaktionelle Ehrgeiz sein, das Profil durch wirkliche Eigenständigkeit zu erarbeiten und nicht weil man Themen, die einem sowieso angeboten werden, einfach früher bringt. Damit ist niemandem geholfen.“ Inhaltlich setzt das Heft auf eine große stilistische Bandbreite, wobei sich Chefredakteur Thomas Venker immer wieder mit dem Vorwurf einer Alternative-Rock-Postille beschäftigen muss.
Dabei würde er „Intro“ eher als einen Generalisten bezeichnen, der von Pop über Elektronik bis zu absolutem Freistil „fast alles“ abdeckt, aber auch in anderen Kulturbereichen zuhause ist. „Wir kommen ganz klar aus der Gitarrenmusik-Ecke, haben uns aber, genauso wie unsere Leser, über die Jahre thematisch geöffnet. Heute finden vor allem Themen aus den Genres Indierock, HipHop, R’n’B, Pop und Elektronik im Heft statt. Wichtig sind aber auch die kulturellen Artefakte aus anderen künstlerischen Zweigen: Kunst, Film, Mode und Literatur“, sagt Venker. „Einst war ‚Intro‘ ein reines Musikmagazin, jetzt finden sich alle Felder der Popkultur im Magazin wieder.
Deshalb spielen Mode und Style, Film und Kunst, Games und Literatur inzwischen wichtige Rollen und erweitern den Horizont stimmig“, ergänzt Hörstmann, der den Begriff „Lifestyle“ jedoch als „Relikt aus den 80ern“ wertet: „Auch wenn er in der Mediaplanung immer noch ein Segment darstellt, ist der Begriff ‚Lifestyle‘ gerade für die Altersgruppen und Marktsegmente, in denen wir tätig sind, negativ belegt und darüber hinaus eine wenig aussagekräftige Phrase. Trotzdem könnte man uns natürlich, von außen betrachtet, dort einordnen, da wir schließlich den gesamten Popkultur-Kosmos reflektieren.“


