“Das Musikfernsehen wäre ohne Videos deutlich langweiliger und die Plattenfirmen würden eines ihrer wichtigsten Promotions-Tools verlieren.
Die Qualitiät der Clips lässt nicht nach. Bei den 50 bis 60 neuen Videos pro Woche sind wir immer noch in der Lage, dass wir eigentlich gern mehr Titel beschließen würden, als wir freie Titel auf den Playlisten haben. Dennoch ist es erschreckend, dass man 80 oder vielleicht sogar 90 Prozent aller eingereichten Clips in zwei Kategorien einteilen kann: Beim Popvideo sieht man sehr gut aus, kann ein bisschen singen, ein bisschen tanzen und alles passiert an einer netten Location oder einem aufwändigen Studioset. In der zweiten Kategorie, die gern im HipHop und im Rockbereich genommen wird, geht es um die Coolness. Auch hier sieht man gut aus, ist supercool gestylt, hält sich gern in einem etwas dunkleren Umfeld auf oder wandert durch einsame Gassen. Was dagegen fehlt, sind die Clips aus der Kategorie Witz: Videos mit Stories, bei denen die Macher mit Spaß an die Sache rangehen und bei denen die Zuschauer aus Spannung dranbleiben und die Musik beinahe zweitrangig wird.
Man kann auch aus vergleichsweise kleinen Budgets eine Menge machen, das sieht man etwa am Video der Formation International Pony. Und auch die wirklich herausragenden Videos von Farin Urlaub haben um die 60.000 Euro gekostet, während ein Hochglanz-Clip von Bootsy Collins, der zwar chic, aber nicht sonderlich originell ist, das Dreifache gekostet hat. Das zeigt, dass Idee und Kreativität sehr viel Geld sparen können.
So sehr sich die deutschen Clipmacher auch bemühen, auf die Ebene von Jennifer Lopez oder Marilyn Manson zu kommen, sie werden es nicht schaffen. Denn dafür braucht man Geld. Aber auf der Etathöhe von Clips wie Farin Urlaub oder den Fantastischen Vier kann man eine eigene Qulität schaffen, bei der ich mit allen nationalen wie internationalen Clips mithalten kann.
Es ist auch unser Wunsch, Newcomer zu breaken, mit denen wir dann aufgrund der gewachsenen Kontakte in ein paar Jahren enger arbeiten können, als das mit internationalen Superstars jemals möglich sein wird. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, zu garantieren, dass keiner mehr mein Programm schaut: Drei Newcomer am Stück programmieren.“
Elmar Giglinger, MTV-Programmdirektor



