Musik

Coralie Clément – Neue Ikone der Nouvelle Vague

Ihre zarte Stimme pendelt zwischen verträumter Unschuld und aufreizender Sinnlichkeit. Auf „Salle Des Pas Perdus“ präsentiert Coralie Clément eine Melange aus Jazz und Bossa Nova im 60er-Jahre-Look. Mit ihrem Debüt bereichert die kleine Schwester von Benjamin Biolay die Geschichte des französischen Chansons um ein neues Kapitel.

Sanft und verführerisch haucht Coralie Clément „La Samba de mon Cœur qui Bat“ ins Mikrophon. Die Nummer aus der Feder ihres Bruders klingt wie eine Hommage an Antonio Carlos Jobims „One Note Samba“ und bereichert den Soundtrack der aktuellen Komödie „Was das Herz begehrt“ mit Jack Nicholson. Ansonsten wecken die nostalgischen Melodien auf ihrem Debüt „Salle des Pas Perdus“ eher Reminiszenzen an die Nouvelle Vague. „Jedes Stück ist für mich ein kleiner Film“, räsonniert Clément. „Das Album erinnert mich an das Kino von Jean Luc Godard und François Truffaut. Es entstand aus purem Zufall“, erinnert sich Clément.

Trotz ihres unüberhörbaren Talents zeigte die 24-jährige Sängerin aus Villefranche-sur-Saône zunächst keine künstlerischen Ambitionen. Stattdessen belegte sie Kurse in Kunst und Geschichte an der Universität in Lyon. „Eines Tages zeigte mir mein Bruder einige Lieder, die überhaupt nicht für mich bestimmt waren. Trotzdem wollte er, dass ich sie singe – nur so zum Spaß. Doch dann haben mich seine Stücke nachhaltig in ihren Bann gezogen.“ Das Album wurde in intimer Atmosphäre eingespielt, und so konnte die Sängerin ihren natürlichen Ausdruck und ihren mädchenhaften Charme bewahren.

Problemlos lässt sich ihre mit charmanter Leichtigkeit intonierte Musik zwischen Norah Jones und Carla Bruni ansiedeln – allerdings ohne Verwechslungsgefahr. Denn das charmante Debüt trägt die Handschrift von Benjamin Biolay. Coralies großer Bruder zählt zu den talentiertesten neuen Komponisten und Arrangeuren Frankreichs. Gemeinsam mit Keren Ann Zeidel komponierte er für Henri Salvador den Hit „Jardin d’Hiver“ und verhalf der 86-jährigen Chansonlegende vor vier Jahren zu einem sensationellen Comeback. Biolays letztes Album „Negatif“ rangierte 2003 auf Platz 15 der französischen Charts. ls Produzent und Komponist hält Biolay auf „Salle des Pas Perdus“ alle Fäden in der Hand. Die Kritiker sind sich denn auch einig: Biolay und Coralie formen ein Duo, so die französische Zeitschrift „Télérama“, das den Vergleich mit Françoise Hardy und Jacques Dutronc oder Jane Birkin und Serge Gainsbourg nicht zu scheuen braucht. Der Überraschungserfolg von Carla Bruni, die mit „Quelqu’un m’a Dit“ in Deutschland bis auf Platz 14 kletterte, motivierte Capitol, Cléments 2001 erschienenen Einstand in die Musikwelt nun auch in Deutschland zu veröffentlichen.

In Frankreich konnte „Salle des Pas Perdus“ über 25.000 Einheiten absetzen. Und es könnten mehr sein, wäre die frisch gebackene Chanteuse nicht so bühnenscheu. Erst auf ihrer jüngsten Tournee durch Japan, fern vom Erwartungsdruck ihrer Landsleute, hat Coralie Clément an Selbstbewusstsein gewonnen. Die Chancen, sie beim Festival „Francofolies 2004“ in Berlin zu erleben, sind seither erheblich gestiegen.