Musik

Cooler Bengel mit genialen Händchen

Jung, attraktiv, virtuos an den Tasten – und fantastisch singen kann er auch noch: Peter Cincotti gilt als neuer Superstar des Jazz.

Den Auftakt zu seinem 20. Geburtstag feierte Peter Cincotti am 11. Juli 2003 kurz nach Mitternacht im Münchner Hofbräuhaus. Einige Stunden vorher feierten ihn Medienleute, die gemeinhin bei Showcases lieber Häppchen vom Büffet in den Händen halten als zu klatschen, mit frenetischem Beifall.

Der Auftritt im Münchner „Parkcafé Next Door“ war der dritte, den der Jazz-Pianist und -Sänger aus New York in Deutschland absolvierte, und ob in Hamburg, Berlin oder an der Isar – stets flogen dem „coolen Milchbart am Flügel“ (so die „Süddeutsche Zeitung“) die Sympathien selbst der härtestgesottenen Beobachter zu.

Dabei sieht der Knabe auf den ersten Blick gar nicht aus wie die Jazz-Entdeckung des Jahres. Eher schüchtern klemmt er sich auf den Klavierhocker, eher vorsichtig beginnt er die Tasten zu streicheln, eher ehrfürchtig tastet sich seine Combo an die Stücke heran. Aber dann: Cincotti spielt sich warm, seine Mannen an Kontrabass, Schlagzeug und Gitarre offenbaren hervorragendes Können, das Ganze steigert sich zum traumhaften Ensemble-Höhenflug – und dann fängt der junge Spund auch noch an zu singen.

Gen-Pooling der Vokalisten

Wer die Augen zumacht, verfällt dabei leicht dem Trugschluss, Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. hätten ihre Vokalgene gepoolt. Nicht nur die „Süddeutsche“ zeigte sich deshalb beeindruckt: „Peter Cincotti kann’s aber auch – das swingt und groovt, das Begleittrio tut sein Bestes, den Bengel im roten Anzug zu unterstützen.“ Auch das Hamburger Abendblatt bescheinigte ihm „allerhöchstes Niveau“.

Beide haben Recht – und befinden sich in bester Gesellschaft. In den USA erreichte Cincottis Debütalbum, „Peter Cincotti„, produziert vom Altmeister Phil Ramone, schon im Frühjahr den ersten Platz der Jazz-Charts.

Die „New York Times“ nannte den adretten Jüngling, der immer mit Anzug und Krawatte auftritt, einen „Spezialisten für Großvaters Lieblingssongs“; die Schauspieler Dustin Hoffman und Jennifer Love Hewitt zählen sich zu seinen Bewunderern. Und als sein Förderer erwarb sich Pianist Harry Connick Jr. Meriten, der Cincotti seit seinem siebten Lebensjahr trainiert.

authentisch und erwachsen

Mittlerweile darf man vermuten, dass Connick seinem Protegé, den Kritiker gern auch mit Größen wie Errol Garner oder Tony Bennett vergleichen, nicht mehr viel beibringen kann. Denn der spielt auf Platte wie im Konzert neben erstaunlich authentisch und erwachsen wirkenden Eigenkompositionen auch Songs von Cole Porter, George Gershwin oder Rodgers & Hart, während ihm seine Mutter Cynthia und die ältere Schwester Pia, die ihn auf der Europareise begleiten, im Publikum fasziniert zuhören.

„Er ist ein Naturtalent“, erzählt die stolze Mama. „Schon mit drei Jahren setzte er sich ans Kinderklavier und fing an zu spielen. Niemand musste ihm das groß beibringen.“ Nie habe sie ihren Peter zu etwas gedrängt, ihn womöglich zum Piano-Wunderkind getrimmt. Die Tiefe seiner Musik erklärt sich, so Cynthia Cincotti, vielleicht auch daraus, dass Peters Vater am Eingang eines Clubs, in dem der damals 13-Jährige spielen sollte, einer Herzattacke erlag.

Tatsache ist auf jeden Fall: Wer das Vergnügen hat, den jugendlichen Jazzer auf seiner Deutschlandtournee live zu erleben, zweifelt nicht daran: Peter Cincotti hat das Zeug zum Superstar. Und zwar dank seines Talents – und nicht dank gehypter Castings-Shows samt massiven Medien-Bombardements.