Sebastian Göckede, Product Manager Dance bei Polystar/Universal Marketing Group (UMG), sieht Dance-Kopplungen in seiner Firma weniger von Umsatzeinbußen betroffen als etwa die Hit-Compilations. „Unsere Top-Marke’Future Trance‘ verkauft sich sogar besser als vor zwei Jahren.“ Göckede räumt aber ein, dass es insgesamt bei den Compilation-Serien im Dance-Bereich von Folge zu Folge wesentlich größere Schwankungen bei den Absatzzahlen gebe: „Die Kunden kaufen weniger als früher blind eine bestimmte Marke, sondern vergleichen stärker die Tracklistings der konkurrierenden Produkte. Hast du bestimmte Hits drauf oder nicht, verkauft die Kopplung entsprechend gleich 20.000 Stück mehr oder weniger“.
Marktführer Polystar setze auch in Zukunft vor allem auf die Pflege etablierter Serien wie „Future Trance“, „DJ Convention“, „Technodrome“ oder „Kontor – Top Of The Clubs“. Beim Marketing stehe die TV-Werbung nach wie vor im Mittelpunkt. Doch Promo-Tools wie Club-Touren, Direct-Mailings oder CD-Hinweise auf Postern und Flyern in Clubs nähmen laut Göckede an Bedeutung zu, „zumal die Kunden heute nicht mehr ganz so viel fernsehen“. Was das Repertoire anbetrifft, lege Polystar/UMG den Schwerpunkt auf massenattraktive Hits aus dem Hause Universal.
Zahlreiche Vertreter von Independent-Firmen beklagen diese Praxis, da ihnen eine Haupteinnahmequelle verloren gehe, wenn die Majors immer weniger Indie-Titel für Kopplungen lizenzieren. Sebastian Göckede meint dazu, es gebe keinen Anlass für Universal, dies zu ändern, solange die Repertoiregesellschaften der Company selbst so viele erfolgreiche Charts-Titel lieferten wie derzeit. Seine Aufgabe sei es, Umsätze zu machen. Dazu brauche man eben Hits. „Mit Kredibilität kann man keine CDs verkaufen“, betont der Dance-Experte von Polystar. Eine Szenekopplung, die vielleicht 5000 Stück absetze, sei für eine Firma wie Polystar uninteressant.
Nach Polystar ist Berlin Records der umsatzstärkste Anbieter unter den Machern von Dance-Compilations. Auch die Sony-Music-Division sei laut Product Manager Daniel Schramm von sinkenden Absatzzahlen betroffen – Erfolgsserien wie „Dream Dance“ hielten sich aber „wacker“. Mit den Reihen „Tunnel Trance Force“ und „DJ Networx“ sei sogar eine „Kehrtwende“ gelungen.
Mit steigenden Verkäufen habe sich Berlin Records mit diesen Marken, die so Schramm, „einen speziellen Sound bieten und sich von vielen austauschbaren Produkten abheben“, als führende Firma in Sachen härterer Trance und Techno etabliert. Ausschlaggebend für diesen Erfolg seien unter anderem die starke Fanbase des Tunnel-Clubs in Hamburg, der beide Reihen präsentiert, die Wertigkeit der Tracklistings und informative Booklets. Diese Titel werden laut Schramm von den Fans durchaus blind gekauft, „weil die Kunden der Marke vertrauen“.
Die Indies seien für Berlin Records als Repertoiregeber im schnelllebigen Dance-Markt unverzichtbar, da sie „nah am Puls der Zeit“ seien und neue interessante und innovative Tracks lieferten. Deshalb habe seine Firma auch keinesfalls die Anzahl lizenzierter Indie-Titel verringert, betont Schramm. Mit dem neuen Chillout-Titel „Open Space“ und mit kommenden Konzepten im House-Bereich im nächsten Jahr will Berlin Records laut Schramm neues Terrain erobern. Im Marketingbereich sei geplant, mehr ins Radio zu gehen und auch die Anbindung von Produkten an bekannte DJs und Clubs, an Events und Tourneen zu forcieren.
Verstärkte Anstrengungen im Dance-Segment hat in diesem Jahr Warner Strategic Marketing – WSM unternommen. Insbesondere mit der Neukreation „Technics DJ Set“ habe WSM laut Produktmanager Sven Greiner bewiesen, dass man außer der bewährten Reihe „Viva Club Rotation“ auch im anspruchsvolleren Club-Kopplungs-Segment viel Dance-Kompetenz zu bieten habe. „Die Reihe hat ein sehr gutes Image. Bekannte DJs bieten sich selber als Gast-DJs für die nächsten Folgen an. Und die Kooperation mit einem Hardware-Hersteller ist in diesem Umfeld etwas Neues“, bekräftigt Greiner. Ein neues Konzept hat WSM gerade auch mit „Big Pack“ auf den Markt gebracht – einem unüblichen Drei-CD-Set mit vier Stunden Spielzeit zum Preis einer Doppel-CD mit langen Club-Mixen und Remixen.
Aufgrund der relativen Repertoire-Armut ihrer Companies an Dance-Material sind EMI Music Media (EMM) und BMG Ariola Media eher zurückhaltend mit Dance-Kopplungen. Bei BMG konzentriert man sich laut PM Marianna Hunyady auf die Reihe „Members Only“ und die in diesem Jahr gestartete Serie „Club League“. BMG denke aber auch über Konzepte in der „nicht-kommerziellen Schiene“ nach. EMM mache zwar wenig im Dance-Bereich – „wenn, dann aber erfolgreich“, meint Marketing Director Klaus Eickemeyer und verweist auf Charts-Resultate von „N8-Die Club-Linie“ (Platz sechs) und „Disco No. 1“ (drei), die als Serie fortlaufen soll.


