Zu einer besonderen Präsentation bat BMG Ariola München am Nachmittag des 9. Juli in den Konferenzraum „Whitney Houston“ in der Münchner Firmenzentrale. Der legendäre Musikmanager und Produzent Clive Davis, Gründer des Labels Arista und seit August 2000 Chef des als Joint Venture mit BMG betriebenen Labels J Records, stellte das Artist Roster seiner jungen Firma vor.
Zu Beginn der gut vierstündigen Produktschau mit Ton- und Video-Einspielungen bedankte sich Davis bei den BMG-Ariola- Mitarbeitern für deren erfolgreiche Arbeit mit dem von ihm produzierten Album „Supernatural“ von Carlos Santana, von dem bis heute weltweit fast 25 Millionen und davon allein in Deutschland rund 1,3 Millionen Exemplare verkauft wurden.
Davis betonte in einer längeren Vorrede die Harmonie zwischen ihm und der gegenwärtigen BMG-Führung. Anders als in der Presse zum Teil dargestellt, habe sich BMG nie von ihm „als Person trennen wollen“, auch sei es für ihn nie in Frage gekommen, Whitney Houston und Carlos Santana von Arista zu J-Records zu holen. Man treffe sich hier „in gegenseitigem Respekt“. Er strich heraus, dass die Konditionen, die BMG ihm bei der Gründung des Joint Ventures eingeräumt habe, „in der Geschichte des Musikgeschäfts ohne Beispiel“ seien. J Records sei alles andere als ein Start-Up-Unternehmen, sondern hinsichtlich ihrer Finanzausstattung, ihres Künstlerstammes und ihres Personals „von Beginn an eine Major-Firma, die größte jemals neu gegründete Plattenfirma überhaupt.“
Stolz verwies der auch als Entdecker von Whitney Houston in die Branchen-Annalen eingegangene New Yorker darauf, dass alle bisherigen drei Schwerpunkt-Releases des Labels (die Alben der Boygroup O-Town, von Soulstar Luther Vandross und der jungen Sängerin Alicia Keys) in der ersten Woche nach ihrer Veröffentlichung in die Top Ten der US-Albumcharts eingestiegen seien.
Dinner in Gütersloh
Der erste Teil der Präsentation war den Newcomer-Acts, der zweite Teil den, wie Davis sich ausdrückte, „Platinum-Acts“, gewidmet. Dabei nahm der J-Records-Chef die Vorstellung der Rockband Soil zum Anlass, auf die stilistische Breite seines Artist Rosters hinzuweisen. Das Label werde häufig vor allem mit R&B und HipHop assoziiert, dabei gebe es bei J-Records „nicht den ‚einen“ Sound“. Davis verwies darauf, dass er in seiner Zeit bei Columbia „fast nur Rock-Acts wie Aerosmith“ unter Vertrag genommen habe. Wenn er über Verträge mit neuen Künstlern nachdenke, stelle er sich die Fragen „Können Sie eines Tages Headliner sein? Können sie sich vielleicht 20 Jahre lang halten?“
Mit Emphase in der Stimme erklärte Clive Davis: „Neue Künstler sind das Lebenselixier unseres Geschäfts!“ Darum sei der „Kontakt zu den Kreativen der wichtigste Aspekt“ in der Arbeit eines Labelchefs, dies habe er auch bei einem Dinner mit Dr. Thomas Middelhoff und Rolf Schmidt-Holtz am Vorabend in Gütersloh heraus-gestellt. Davis“ Vortrag kulminierte in der Vorstellung der jungen Künstlerin Alicia Keys, deren Debütalbum „Songs In A Minor“ in den Billboard-Album-Charts dieser Woche sensationell auf Platz Eins einstieg. Am Abend nach der Audienz des Branchenveteranen lud BMG Ariola zum Showcase des J-Records-Acts The Product GB und von Alicia Keys im bayerischen Hof (mehr dazu in musikwoche.de 30).



