“Der DVD-Markt ist deshalb interessant, weil es bei der Arbeit mit DVDs einen großen Bedarf an kreativer Leistung gibt, der aktuell nicht gedeckt wird“, berichtet Sven Bollinger, dessen Produktionsfirma BSW sich vor allem mit Musikvideos einen Namen gemacht hat. Als neues Geschäftsfeld haben die drei Geschäftsführer Bollinger, Jan Schultchen sowie Markus Wacker, die die Produktionsfirma 1994 gründeten, zu Zeiten sinkender Videobudgets die DVD entdeckt. BSW bietet ein DVD-Gesamtpaket an, das unter anderem technische Beratung, Konzeption, Herstellung der Bilder und Programmierung enthält. „Die Gestaltung der meisten DVDs verläuft oft nach identischem Muster: Eine Handvoll visuell uninspirierter Navigationstafeln lässt den Zuschauer das gesuchte Material finden. Die interaktiven Möglichkeiten werden kaum genutzt, die grafische Oberfläche ist einfältig“, klagt Bollinger.
BSW will trotz DVD-Projekten die Clip-Produktion nicht vernachlässigen. Mit Svenja Rossa, die von Blow Film zu BSW wechselte, und dem Regieduo Plazma und Marc Clausen alias Marcnesium von der Formation 5 Sterne Deluxe arbeiten profilierte neue Regisseure für die Firma, die mit „Schwule Mädchen“ von Fettes Brot für einen Viva-Comet nominiert ist. Gleichzeitig verspürt auch BSW die veränderte Marktsituation, die zu immer niedrigen Clip-Etats führt. „Grundsätzlich ist es möglich, auch zu kleineren Budgets interessante Clips zu drehen. Da ist einerseits die Kreativität der Regisseure gefragt, andererseits aber auch der Mut und das Vertrauen unserer Kunden, den entsprechenden Vorschlägen zu folgen“, sagt Bollinger. Dieses Vertrauen könne nur durch „mehr Zeit und engere Zusammenarbeit“ aufgebaut werden. Über Treffen mit Kunden und Künstlern, die „über ein Treatment hinaus die Möglichkeit geben, ungewöhnliche Ideen vorzustellen und zu erläutern, kommen gute Clips zustande, die durch ihre stringente Umsetzung mit amerikanischen High-Budget-Filmen konkurrieren können“, erläutert Bollinger.
Kritisch beurteilt er die Verwendung der günstigeren Digitalformate, in denen viele Firmen derzeit ein Allheilmittel sehen: „Mini DV oder DV Pro sind leider nicht die Mittel, 10.000 Euro einzusparen, um plötzlich bei sinkenden Budgets den Film drehen zu können, den man eigentlich auf Filmmaterial geplant hat. DV liefert für Endverbraucher-Technik erstaunlich gute Bilder, bleibt aber ein Videoformat mit enstprechenden Schwächen.“ Der Einsatzbereich von DV sei sehr schmal. So werde es wichtig, die Schwächen des Formats in der Konzeption zu berücksichtigen, „dann sind halbwegs befriedigende Ergebnisse möglich“, urteilt Bollinger.



