Musik

Clear Channel erschließt neue Geschäftsfelder

CDs und Downloads für Konzertbesucher

Clear Channel plant, noch während des Konzerts direkt aus dem Mischpult einen Livemitschnitt anzufertigen, ihn mit der Geräuschkulisse des Publikums anzureichern, ein Booklet zu entwerfen und mittels High-Speed-Brennern die CDs zu duplizieren. Das fertige Produkt soll bereits fünf Minuten nach der letzten Zugabe des Konzerts verkaufsfertig am Ausgang auf die Konzertbesucher warten. Was derzeit wie Zukunftsmusik klingt, soll in den nächsten Monaten in Bean Town nahe Boston im Test erprobt werden. Clear Channel Entertainment, weltweit die Nummer eins im Live-Entertainment-Geschäft, verspricht sich davon neue Einnahmen. Zwei weitere US-Firmen, Disclive und Rockslide, haben ähnliche Pläne angekündigt. In England wird Clear Channel indes im Sommer versuchen, digitale Downloads und den Festivalgedanken zusammenzubringen: Das „Download Festival“ Ende Mai in Donington bietet auf dem Open-Air-Gelände an, Songs downzuloaden und direkt auf CD zu brennen, „Das,Download Festival‘ ist keine Technik-Ausstellung. Wir wollen Technologie nutzen, um das Erlebnis vor Ort zu steigern“, kommentiert Michael Rapino, CEO Clear Channel Entertainment Europe.

Bei deutschen Konzertveranstaltern herrscht bezüglich der Pläne eher Skepsis: „CDs so schnell anzufertigen, ist meines Erachtens nach nicht machbar, außerdem ist die Klärung der Rechte problematisch“, meint Carlos Fleischmann, Head of New Talent bei Millennium Entertainment: „Unser Job ist es, Tickets zu verkaufen.“ Mario Mendrzycki, Geschäftsführender Gesellschafter und President der Künstleragentur Triple M Entertainment, sieht die Situation ähnlich: „Für,New Talent‘ ohne Veröffentlichung wird das Modell eine viel versprechende Plattform sein, wobei sich CCE und andere Anbieter die Frage nach Investition und Return stellen werden. Bei etablierten Acts und deren Anspruch an die künstlerische Kontrolle sehe ich Probleme in der Praxis.“ Mendrzycki stellt darüber hinaus die Gegenfrage: „Was werden die Labels demnächst noch selbst verkaufen, wenn Künstler über ihre eigene Website vertreiben, Live-CDs nach Konzerten verfügbar sind und das Netz und die Brenner-Situation nach wie vor zur kostenfreien Nutzung von nicht ausreichend geschützten Copyrights einladen? Ein düsteres Szenario…“