Am ersten Konferenztag stellte ein Spezialistenteam die Tools vor, die als einzelne Komponenten unter dem Dach von CIS (Common Information System) zusammengefasst sind und einen sicheren Umgang mit urheberrechtlich geschützten Arbeiten im Internet gewährleisten sollen. Der augenblickliche Vollzugsstand von CIS läßt sich dabei anhand der Entwicklung einiger seiner Subsysteme beurteilen. So enthält die Musikdatenbank Works Information Database (WID) derzeit fast 1.250.000 und der AV Index für audiovisuelle Tonträger etwa 1.400.000 Einträge. Und mit MI3P startete eine Gemeinschaftsinitiative der Musikbranche zur Entwicklung einer Standard-Technologie zur Musik-Identifikation. Diese soll einen Online-Musikvertrieb mit effizientem Urheberrechts-Management ermöglichen.
In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Eduardo Bautista, Vorsitzender des CISAC-Exekutivbüros und CEO der spanischen Autorenvereinigung SGAE, die strategische Überarbeitung verschiedener Aspekte des Common Information System als die wichtigste Aufgabe, die in Angriff genommen werden müsse: „Es besteht in den nächsten Jahren die große Chance für ein faires und effizientes Management geistiger Eigentumsrechte. Wir müssen uns an die digitale Kultur gewöhnen – eine Welt, in der Inhalte nicht durch materielle Begrenzungen eingeengt sind und in der die Bewahrung von und der Respekt für kulturelle Vielfalt essentiell sind. Wir müssen den Autorenvereinigungen aber dabei helfen, ihre Geschäftsmodelle zu überarbeiten und auf den neuesten Stand zu bringen. Wir wollen CIS allen Urheberrechtsorganisationen zugänglich machen.“ Bautista unterstrich die Dringlichkeit standardisierter Informationsdaten. Dabei erkannte er durchaus an, dass viele Gesellschaften bereits in eigene Systeme investiert haben und jetzt durch die Übernahme des neuen einheitlichen Systems vor erheblichen sowohl finanziellen als auch psychologischen Problemen stehen.
CISAC-Generalsekretär Eric Baptiste erklärte, dass sich auch die CISAC selbst im Rahmen der Implementierung des Common Information System verändern musste. CISAC habe sich von einer Interessensvertretung hin zu einem Service Center für seine Mitgliedsverbände entwickelt. „CIS ist die erste internationale und kooperative Entwicklung auf dem Gebiet der Verwaltung geistiger Urheberrechte im digitalen Zeitalter,“ so Baptiste. „Das System liefert sowohl einen internationalen Standard zur Identifizierung geistiger Urheberschaft als auch ein unterstützendes Netzwerk von bis zu neun globalen Datenbanken, die die autorisierten Urheberinformationen enthalten.“ Die großen Vorteile des Systems seien Klarheit, Sichtbarkeit, Transparenz und Verantwortlichkeit.
Er erinnerte daran, dass die ersten Schritte bei der Entwicklung des Common Information System bereits 1994 unternommen wurden. Seit den letzten „CIS Information Days“ im April 1997 seien große Fortschritte bei der Definition von Standards, bei der Technik sowie beim Umfang des Projekts erzielt worden. Nach der letztjährigen CISAC-Generalversammlung in Santiago de Chile habe die Organisation durch das CIS-Projekt jetzt auch die Macht verbindliche Regelungen dort einzuführen und durchzusetzen, wo sie zuvor nur Empfehlungen geben konnte. Baptiste bezeichnete dies als „eine revolutionäre Entwicklung.“ Obwohl CIS ursprünglich nicht für den Gebrauch durch Dritte gedacht war, mache es das digitale Umfeld notwendig, einige Elemente des Systems beispielsweise TV- und Radiosendern zur Verfügung zu stellen, „solange dies nicht die Sicherheit und Integrität der Mitgliedsvereinigungen gefährdet,“ so Baptiste.
Eduardo Bautista wies auf den bedeutenden Fortschritt, der von den Mitgliedsorganisationen bei der Übernahme der CIS-Standards, -Regeln und -Datenbanken vollbracht wurde, hin. Wichtige Beziehungen zu allen Teilen der Medienindustrie sowie zu Rechtebesitzern seien dabei aufgebaut worden. Jetzt sei das Potenzial vorhanden, den illegalen Gebrauch geistigen Eigentums im Internet auf ein unbedeutendes Niveau zu reduzieren.
Zweiter Konferenztag im Zeichen des Wassers Der Haupttagesordnungspunkt am zweiten Tag der „CIS Information Days“ beschäftigte sich mit der Realisierbarkeit von Wasserzeichen, die dem Schutz vor unautorisiertem Gebrauch akustischer und visueller Aufnahmen dienen sollen. Digitale Wasserzeichen sind unhörbare digitale Codes, die Dateien identifizieren und die Herkunft eines Files nachvollziehen können, wenn dieser, legal oder illegal, kopiert wurde.
Diese Technologie spielt auch eine wichtige Rolle in den Bemühungen der Secure Digital Music Initiative (SDMI), eines Konsortiums von mehr als 200 Musik-, Elektronik- und Computerfirmen. Sie wurde vom Marktführer auf diesem Gebiet, der American Verance Corporation, entwickelt. Die Konferenzteilnehmer bezweifelten allerdings, dass das Verance-Wasserzeichen einen wirksamen Schutz bieten könne. Die bisherigen Testergebnisse seien enttäuschend. Vergangenen September hatte SDMI einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, der Hackern, die erfolgreich eine der sechs SDMI-Sicherheitstechnologien überwältigen können, 10.000 Dollar anbot. Ein Wissenschaftlerteam um den Informatik-Professor der Princeton University, Edward Felten, behauptete kurz darauf, dass es erfolgreich vier der SDMI-Wasserzeichen-Technologien geknackt habe. Felten sagt, sein Team habe kleine Veränderungen an den Musikfiles vorgenommen, so dass die Wasserzeichen nicht länger feststellbar seien, die Soundqualität aber nicht darunter leide. Trotz aller Zweifel lizensierte Verance sein Wasserzeichen-System an die fünf großen internationalen Plattenfirmen und an mehr als zwanzig andere Unternehmen.
Nach Meinung von Wayne Bickerton, Vorsitzender der Autorenvereinigung SESAC International, liege die wichtigste Anforderung an diese Technologie in der Kontrolle der im Radio und Fernsehen gespielten Musik. Damit solle sichergestellt werden, dass Autoren und Komponisten die ihnen zustehenden Erlöse aus den Aufführungslizenzen auch erhalten. Bickerton berichtete von Plänen der SESAC und der spanischen Autorenvereinigung SGAE das Verance ConfirMedia Wasserzeichensystem für die Airplayüberwachung zu verwenden und in ihr Lizenzsystem zu integrieren. Die Organisation wird die Kodierungssoftware von ConfirMedia, die in Macintosh- und Windowsbetriebssystemen eingesetzt werden kann, kostenlos an seine Mitglieder verteilen. SESAC und seinen Mitgliedern wird es dann möglich sein, direkt von Verance die ConfirMedia Airplay Daten zu erhalten, um daraus eine genaue und umfassende Kontrolle über die öffentliche Ausstrahlung von SESAC-Repertoire zu erlangen.
Das ConfirMedia System umfasst die Einbettung eines Wasserzeichens in das Master Tape einer Aufnahme, das dann von Decodern gelesen werden kann. Dabei spielt weder das Format (analog oder digital) noch die Art der Übertragung (terrestrisch, Kabel, Satellit, Online) eine Rolle. Nach Angaben von Verance, wird ConfirMedia in den USA ab diesen Sommer voll einsetzbar sein. Komponisten, Texter, Arrangeure und Musikverleger haben dann die Möglichkeit, den US-Medienmarkt auf Ausstrahlungen ihrer Werke hin zu kontrollieren. Das System bezieht ferner auch als Filmscores, Themamusiken, Jingles und Soundeffekte benutzte Musik in seinen Überwachungsmechanismus mit ein.
Glossar Das Projekt CIS besteht aus mehreren Subsystemen, die anhand ihrer Initialien zu erkennen sind:
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AV-Index: Audio-Visual Index. Der AV-Index beinhaltet Informationen über die Titel audio-visueller Produktionen, die es ermöglichen, die Herkunft von in Filmen und Fernsehserien eingesetzter Musikstücke zu ermitteln. Der Index bietet außerdem die Möglichkeit Versionen in verschiedenen Sprachen mit den jeweiligen Originalen zu verlinken. Die britischen Organisationen MCPS und PRS verwalten, im Auftrag der CISAC, den Index. Bislang haben CISAC-Mitgliedsgesellschaften, wie ASCAP, BMI, PRS, SACEM, SESAC, SGAE und SOCAN, 1,4 Millionen Titel audio-visueller Produktionen an den AV-Index gemeldet.
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CSD: CIS Standards Database. Diese Datenbank beinhaltet Informationen, die über www.cisac.org zugänglich sind. Interessierte können sich dort einen generellen und fortlaufend aktualisierten Überblick über die verschiedenen CIS-Subsysteme, verschaffen. Nur CIS-Mitgliedergesellschaften erhalten darüber hinaus einen passwortbeschränkten Zugang zu einer Dokumentation über Standards, Regeln und Abläufe von CIS, einem Glossar mit Begriffen und Definitionen im CIS-Kontext, einer Dokumentensammlung und dem CIS-Archiv. Auf dem CIS-Meeting wurde bekannt gegeben, dass 42 Mitgliedsgesellschaften der CISAC bereits mit CSD, wo derzeit 5,5 Millionen Einträge verzeichnet sind, arbeiten.
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IDA: International Documentation on Audio-Visual Works. Hierbei handelt es sich um eine Datenbank von Regisseuren und Autoren, die demnächst noch mit der ISAN-Datenbank verlinkt werden wird. IDA bietet verschiedene Kategorien von Rechteinhabern audio-visueller Arbeiten mit Ausnahme allerdings von Musikkomponisten. Die aktuelle auf CD-ROM erschienene IDA-Version enthält Informationen über fast 200.000 Werke und 526.000 Rechteinhabern. IDA wird von der Society of Dramatic Authors and Composers in Paris verwaltet und identifiziert Werke in ihrer Originalversion sowie in fremdsprachigen Bearbeitungen.
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IPI: Interested Parties Information. Dieses Datenbank-System entwickelte die Schweizer Autorenvereinigung SUISA. Es kann Rechteinhaber von musikalischen, literarischen und Kunstwerken anhand ihrer Tätigkeiten (zum Beispiel Komponisten, Filmregisseure, Künstler) und der Rechtsarten (zum Beispiel Aufführungsrechte, Vervielfältigungsrechte, Radiosenderechte) ausfindig machen. Bei IPI sind zur Zeit mehr als 1,5 Millionen Rechteinhaber verzeichnet.
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ISAN: International Standard Audio-Visual Number. Hinter ISAN verbergen sich eine ISO-Nummer (International Organisation for Standardisation) für audio-visuelle Arbeiten, ein Nummerierungssystem und eine Datenbank. Mehr Informationen erhalten Interessierte [www.cisac.org](https://www.nlc-bnc.ca/tc46sc9/auf der ISO-Homepage].
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ISWC: Information System Works Code. Dieses Konzept vereint das ISO-Nummerierungssystem für Musikstücke und ein Datenbank-Netzwerk. Dadurch können die Titel weltweit identifiziert werden. ISWC soll zu einer vollautomatischen Musikerkennung in jedem Aufnahmemedium führen, entweder in der Form eines elektronischen Wasserzeichens oder als Link zu anderen Datenbank-Nummerierungssystemen. Etwa eine Million solcher Codes sind derzeit musikalischen Werken zugeordnet. ISWC existiert seit 1989 und hat seinen Hauptsitz in Genf. 20 Urheber-Organisationen fungieren bislang als lokale und regionale Geschäftsstellen. Ziel der CISAC ist es, dass bis Anfang 2003 die meisten Mitgliedsgesellschaften ISWC benutzen.
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MI3P: Music Industry Integrated Identifier Project. Eine branchenweite Initiative mit dem Ziel eine weltweite Standard-Technologie zur Identifikation von Musik zu schaffen. MI3P soll Online-Musikvertrieb und Urheberrechts-Management verbinden. Das britische Konsultingbüro Rightscom ist beauftragt, einen Projekt-Entwurf zu erarbeiten, der für Oktober erwartet wird.
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SCRI: Sound Carriers and Recordings Information. Dieses Programm soll den Informationsaustausch zwischen den CISAC-Mitgliedsorganisationen auf dem Gebiet der phonographischen Produktion erleichtern, die Gesellschaften bei der Verteilung ausländischer Einnahmen unterstützen und die Beschaffung von Label-Copy-Informationen auf elektronischem Wege ermöglichen.
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SIS: Society Information System. Eine Datenbank, die Informationen über alle CISAC-Mitgliedsvereinigungen sowie das CISAC-Sekretariat und die Regionalbüros enthält. Diese Verzeichnis ist über [http://www.cisac.org) erhältlich.
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WID: Musical Works Information Database. Hier handelt es sich um eine Datenbank, die die Identifikation musikalischer Werke online ermöglicht. Das globale Informationsmanagement-System richtet sein Augenmerk auf die Werke und deren Schöpfer und Rechteinhaber. Ziel von WID ist es, eine verlässliche Grundlage für die Identifikation musikalischer Werke zu bieten und die Autorenvereinigungen über Veränderungen zu benachrichtigen. Die ASCAP in New York verwaltet WID im Auftrag der CISAC.
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Anmerkung: Derzeit sind 195 Organisationen aus 98 Ländern Mitglied bei CISAC. Insgesamt werden damit mehr als zwei Millionen Rechteinhaber repräsentiert. Etwa 120 der Gesellschaften verwalten Rechte an musikalischen Werken.


