Musik

Christian von Borries: Gegenteil eines Remix-Projekts

Ein fehlgeschlagenes Probedirigat bei Kurt Masur wurde für Christian von Borries zum Schlüsselerlebnis. In seinem Projekt „Replay Debussy“ liest er die „Prélude A L’Après-Midi D’Un Faune“ für das Jetzt.

“Jemand wie Masur behauptet, dass die Art, wie ich mich mit einer bekannten Komposition zu beschäftigen habe, in ihr festgeschrieben ist. Daran glaube ich überhaupt nicht“, erzählt der Komponist und Dirigent Christian von Borries. „Die Komposition Debussys ist für dieses Projekt nur eine Hypothese und existiert gar nicht. ‚Replay Debussy‘ enthält nur acht Beschäftigungen mit der ‚Prélude‘. Andererseits existieren bereits 65 Einspielungen der Komposition, die alle ähnlich klingen. Ich frage mich, wer diese in ihrer steifen Verneigung vor der Komposition eigentlich braucht.“ Für die acht spannenden, neuen Interpretationen von Debussys „Vorspiel“ konnte von Borries das Dub-House-Duo Porter Ricks, den japanischen Multimedia-Künstler Ryuichi Sakamoto und den Klangkünstler Alvin Lucier gewinnen. Lediglich von Borries‘ eigene Interpretation steht in der Tradition klassischer Umgangsformen mit Debussys Meisterwerk.

„Die Lahmheit des Klassikbetriebs erlaubte es mir leider nicht, Leute wie Boulez für dieses Projekt zu fragen. Der hätte vielleicht in fünf Jahren Zeit für mich gehabt. Die CD ist als Aneignungsprozess aber als Aussage für die jetzige Zeit gedacht. Ein heutiger Hörer muss sich eine 130 Jahre alte Komposition mit seinen Mitteln aneignen. In zehn Jahren muss man sie sich wieder neu aneignen. Mein Projekt ist eine Aussage im Jetzt“, meint von Borries. Dass daraus kein Remix-Projekt geworden ist, verdankt das Werk von Borries‘ Verfahrensregeln, die er den Interpreten vorgab: „Remix ist mir zu unspezifisch und wenig gefasst. Ich wollte neue Interpretationen und keine spielerische Umgangsweise mit der ‚Prélude‘, die abhängig davon ist, was Software bietet.“ Der Handel sei von der CD begeistert gewesen: „Der Saturn-Chef sagte, dass er zehntausende Exemplare davon verkaufen wird. Er würde jedem seiner Händler raten, seinen Kunden das Projekt anzubieten, weil sie damit wieder hören können, was klassische Musik sein kann.“

Ebenso begeistert äußert sich Martin Hossbach, Produkt-Manager Universal Classics & Jazz. „Dies ist für mich die interessanteste CD, die Universal Classics je veröffentlicht hat.“ Universal Jazz unterstützt die Veröffentlichung mit einer Anzeige in der Zeitschrift „de:bug“ und einer Releaseparty in Berlin. Features und Interviews werden unter anderem in „KlassikAkzente“, der „FAZ“ und der „Vogue“ erscheinen.