musikwoche.de: Entspricht die „… trifft:…“-Reihe ihren Erwartungen?
Christian Kellersmann: Kommerziell gibt es einige Kopplungen, von denen ich etwas mehr erwartet hätte. Andere haben unsere Erwartung erfüllt, beziehungsweise sogar übertroffen. Mit einer Ausgabe „Diedrich Diedrichsen trifft Arnold Schönberg“ aber verfolge ich von vornherein keine großen kommerziellen Ziele. Sondern es geht mir darum, dass ein Diedrich Diedrichsen in einem bestimmten Genre für jemanden steht, der musikalisch eine sehr ernstzunehmende Meinung vertritt. Wir haben es beispielsweise mit dieser CD geschafft, dass wir unter anderem in Magazinen wie „Spex“ oder „Intro“, die bislang Klassik nicht berücksichtigt haben, redaktionell wahrgenommen wurden.
mw: Es gibt diese Reihe schon fast ein Jahr. Hat sie etwas verändert?
Kellersmann: Diese Serie rückt die Klassik in ein anderes Licht, denn in den letzten 30 bis 40 Jahren wurde klassische Musik doch eher als sehr elitäre und steife Angelegenheit angesehen. Alle Folgen der „… trifft:…“-Reihe haben eine breite Wirkung erzielt, weil wir mit ihr Botschafter der Klassik gewonnen haben. Die Personen, die mitmachen, müssen in der Öffentlichkeit Stellung beziehen. Denn aus meiner Sicht hat die Klassik in einer bestimmten Zielgruppe extrem an Relevanz verloren. Zudem stehen wir vor dem Problem, dass wir eine etwas überalterte Käuferstruktur haben – unsere Aufgabe muss es sein, sie mit glaubwürdigen und interessanten Konzepten zu verjüngen. Im Mittelpunkt steht bei uns weiterhin, dass wir junge Künstler aufbauen, neue Komponisten fördern und der A&R-Arbeit wieder mehr Gewicht geben.
mw: Liegt darin die Zukunft der Klassik?
Kellersmann: In Zukunft ist nicht die Klassik als Ganzes zu sehen, sondern es muss genauso wie im Pop Unterscheidungskriterien geben. Da gibt es dann eben Opernfans und Freunde der sinfonischen Musik. Ich glaube, alle Bereiche haben eine Zukunft. Deshalb werden wir auch überall am Start sein – mit verschiedenen Konzepten, um unterschiedliche Zielgruppen erreichen.
mw: Also gibt es eine Gleichbehandlung der Klassikbereiche?
Kellersmann: Mittelpunkt unserer Aktivitäten sind Künstler und neue Produktionen. Je mehr ein Künstler bei uns eingebunden ist – wir mit ihm ein vernünftiges Konzept entwickeln, ihn erfolgreich vermarkten und promoten – umso mehr können wir gemeinsam mit dem Künstlermanagement etwas erreichen.



