“Den meisten Menschen fällt es einfach schwer zu verstehen, dass ich Filmmusik wie,Captain Future‘ und,Patrick Packard‘, Songs wie,Winter in Canada‘ und,Wunder gibt es immer wieder‘ ebenso komponiert habe wie,Heidi‘ oder eben auch erfolgreiche Werbejingles wie,Milka, die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt'“, erklärt Christian Bruhn. „Aber ohne,Marmor, Stein und Eisen bricht‘ würden wir jetzt nicht hier in diesem Haus sitzen.“
Christian Bruhns Erfolgsrezept lautet: „Keep it simple, keep it sexy, keep it sad. Daran habe ich mich, so oft es ging, gehalten. Auch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich nach erfolglosen Anfängen – meine ersten Sachen wurden ja als zu anspruchsvoll abgelehnt – außer einigen wirklich gut gebauten Songs doch recht Deutsches geschaffen habe, mit einfachen Akkorden und leichten Melodien. Aber so ist das Leben, und leben wollte ich ja schließlich auch von meiner Kunst.“
Diese Kunst wurde ihm fast schon in die Wiege gelegt: Bruhn wurde am 17. Oktober 1934 in Wentdorf bei Hamburg als einziger Sohn einer Kaufmanns- und Künstlerfamilie geboren. Er langweilte sich in der Schule und machte erst einmal eine Malerlehre. „Mir wurde damals der Wert des Einfachen bewusst“, erinnert er sich, „und dass nicht allein Intelligenz und Fähigkeit, sondern gerade eben auch das Herz entscheidend ist“. Die Volksnähe, ohne die er nie ein so bekannter Komponist geworden wäre, steht für Bruhn auch keinesfalls im Konflikt mit der Kunst. Seine Eltern setzten durch, dass Christian Klavier und Noten lernte und später Komposition.
Seine große musikalische Liebe galt und gilt jedoch dem Jazz. Als junger Mann schlug er sich mit Engagements in Kneipen durch. Aber in den Pausen spielte er oft Schlager und entdeckte über die Resonanz im Publikum sein Talent, melodienselige Stücke zu verfassen. Mit seiner ersten Ehefrau Christiane zog er in den 60er-Jahren nach München, und dort bahnte sich sein Weg zu einem der größten populären Songwriter Deutschlands an. Bei der Schallplattenfirma Tempo lernte er den Textdichter Georg Buschor kennen. „Buschor war es, dem ich am meisten zu verdanken habe“, erinnert er sich. 1962 siegten die beide mit Conny Froboess und dem Lied „Zwei kleine Italiener“ bei den Schlagerfestspielen in Baden-Baden. Es folgten Schlag auf Schlag viele Auszeichnungen für Gassenhauer wie „Liebeskummer lohnt sich nicht“ oder „Marmor, Stein und Eisen bricht“.
Mit „Wunder gibt es immer wieder“ und Katja Ebstein erreichte Christian Bruhn beim Grand Prix Eurovision den dritten Platz. Später vertonte er für die Sängerin, die seine dritte Ehefrau wurde, einen viel beachteten Heinrich-Heine-Zyklus. Und er schrieb Filmmusik, unter anderem für „Tim Thaler“ und „Captain Future“, aber auch Bühnenmusik für Shakespeares „Sturm“ und viele Werbejingles. „Das scheint mir mancher nicht verziehen zu haben. Bei der NDR-Talkshow,3 nach 9′ wollte mich Giovanni di Lorenzo auf den Werbemusiker und Moneymaker reduzieren. Dabei war das die Arbeit, an der ich am wenigsten Freude hatte, besonders als sich zwei Werber, die bei mir ein- und ausgingen, das Leben nahmen. Auch musste ich – ähnlich wie bei der GEMA – lernen, dass meine erste Idee meist die beste war und es nicht klug war, diese gleich am Anfang vorzustellen“.
Welche Auszeichnung ihm am meisten bedeutet? Das sei der Paul-Lincke-Ring, sagt er. „Ansonsten sind es nicht so sehr die Auszeichnungen, die mir so viel bedeuten, als die Liebe der Menschen, die meine Lieder zu Hits gemacht haben.“ Dabei zeigt er auf ein Bild mit leidenschaftlicher Widmung von Mireille Mathieu und verweist auf seine Homepage. „Jede Woche erhalte ich etliche Bekundungen von Fans, die mir schreiben, was ihnen meine Songs oder auch die Filmmusiken bedeuten. Das sind für mich die wahren Auszeichnungen.“
Seine Lieder sind für ihn wie seine Kinder, und genauso liebt er sie. Heute nutzt Christian Bruhn seine finanzielle Freiheit nicht nur für seine ehrenamtliche Tätigkeit bei der GEMA. Mit Mario Adorf hat er auch ein nichtkommerzielles Projekt umgesetzt – er hat Lyrik von Claire Din vertont, die Adorf spricht. Zudem produzierte er ein Schlageralbum für Andrea & Melanie, denn bodenständig und volksnah möchte er trotz gelegentlicher ambitiöser Abstecher doch immer bleiben. Derzeit produziert er die österreichische Sängerin Helga Frank. Und zufrieden sagt er, das Glück des Schaffens, des Entstehen-Lassens von Musik sei kaum zu übertreffen. Darauf trinken wir.



